Weizenpreis fällt unter 200 Euro je Tonne, Hafer stark nachgefragt
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeine Marktentwicklung
Der Rohölpreis hat in der zweiten Februardekade kleine Sprünge gemacht und
lag Mitte des Monats wieder bei gut 82 US-Dollar für einen Barrel (159
Liter) der Nordseesorte „Brent“. Den jüngsten Preisknick hat der schwache
US-Dollar wieder wettgemacht. Der Monatsbericht Februar der
Internationalen Energieagentur weist eine leichte Überversorgung aus, die
US-Notenbank aber hat Signale für eine Zinssenkung ausgesandt. Das könnte
sich in einem Wirtschaftsaufschwung und steigender Rohölnachfrage äußern.
Die Stimmung ist nervös, wenn auch die Kursschwankungen derzeit noch im
Rahmen bleiben. Die USA hat Ausschreibungen für die Wiederbefüllung der
strategischen Reserven gestartet. In Norwegens größter Raffinerie in
Mongstad hat ein Brand in der elektrischen Anlage dafür gesorgt, dass auf
die Tageskapazität von 240.000 Barrel vier Tage lang verzichtet werden
musste.
Getreide
Aufgrund der nassen Witterung zur Zeit der Winteraussaat und möglichen
Neueinsaaten mit Sommerungen hat der Verband der Getreide-, Mühlen- und
Stärkewirtschaft (VGMS) den deutschen Landwirten den Anbau von Hafer
empfohlen. Die Schälmühlen haben freie Kapazitäten, die Nachfrage nach
heimischem Hafer sei hoch. Im Jahr 2022 haben die deutschen Mühlen rund
675.000 Tonnen Hafer verarbeitet, was gegenüber dem Jahr 2008 ein Plus von
130 Prozent sind. 2023 haben die Landwirte aufgrund der ungünstigen
Witterung und des Rückgangs der Anbaufläche nur 467.000 Tonnen Hafer
erzeugt. Die Notierungen für Hafer mit einem Hektolitergewicht von 52 bis
54 Kilogramm liegen für die Monate September bis Dezember 2024 aktuell bei
310 Euro pro Tonne. Nach Angaben des Internationalen Getreiderats (IGC)
von Mitte Februar ist die Weltversorgung allgemein knapp.
Erstmals seit Juli 2021 wurde die Marke von 200 Euro pro Tonne Weizen
wieder unterschritten. An der Pariser Matif fiel der Kurs Mitte Februar
aufgrund der hohen Verfügbarkeit von Weizen aus der Schwarzmeerregion.
Zudem sind die Lager in der EU und am Schwarzen Meer noch voll. Die
Analysten der französischen Agritel sehen einen hohen Verkaufsdruck, da
Platz für die nächste Ernte geschaffen werden muss. Der Weizenpreis hat
den Maispreis ebenfalls nach unten gezogen.
Ägypten hat Mitte Februar 120.000 Tonnen ukrainischen und 60.000 Tonnen
rumänischen Weizen gekauft.
Raps und Ölsaaten
Innerhalb der zweiten Februardekade wurden verschiedene Prognosen für die
Sojaernte 2023/24 veröffentlicht. Der IGC hat das Erntevolumen gegenüber
seiner Schätzung zu Jahresbeginn um 1,5 Millionen Tonnen auf 390,9
Millionen Tonnen nach unten korrigiert – was aber immer noch die höchste
jemals eingefahrene Erntemenge wäre. Grund für die Korrektur sind die
schlechteren Erntebedingungen in Brasilien, die der IGC mit 150 Millionen
Tonnen angibt. Einige Tage zuvor veröffentlichte die brasilianische
Versorgungsgesellschaft Conab den pessimistischeren Wert von 149,4
Millionen Tonnen, die USA gaben zeitgleich mit 156 Millionen Tonnen einen
deutlich höheren Wert an. Nach dem dramatischen Rückgang der
argentinischen Ernte auf 25 Millionen Tonnen aufgrund der Trockenheit im
vergangenen Jahr sind die Sojabauern mit prognostizierten 48 Millionen
Tonnen für dieses Jahr wieder in der Spur.
Der Verband „Donau Soja“ geht in seinem aktuellen ersten Marktbericht 2024
von einer weiteren Steigerung der europäischen Anbaufläche aus. Schon 2023
wurden mit 12,2 Millionen Tonnen nahezu 24 Prozent mehr Sojabohnen als im
Jahr davor geerntet. Allein in der EU stieg die Produktion um ein Drittel
auf 740.000 Tonnen. Im laufenden Jahr könnte sich nach Einschätzung des
Verbandes die Anbaufläche um zehn Prozent auf 5,6 Millionen Hektar
erhöhen. Grund sind die derzeit hohen Preise für GV-freies Soja, der
Bedarf an nicht-tierischem Protein und Anreize der Politik, mehr
Leguminosen anzubauen.
Der IGC schätzt die globale Anbaufläche für Winterraps auf 42,5 Millionen
Hektar, was vier Millionen Hektar über dem durchschnittlichen
Fünf-Jahres-Wert liegt. Bei durchschnittlichen Erträgen kämen rund 87
Millionen Tonnen Raps zusammen. In der EU aber fiel die Anbaufläche von
6,2 auf 5,8 Millionen Hektar, weil vor allem Deutschland, Polen und
Rumänien im Herbst 2023 witterungsbedingt auf die Aussaat verzichten
mussten. Kriegsbedingt habe die Ukraine auf 300.000 Hektar Rapsanbau
verzichten müssen und nur 1,7 Millionen Hektar unter den Pflug genommen,
so der IGC.
Kartoffeln
Die Konsumenten haben aufgrund der Karnevalssaison weniger Kartoffeln
gekauft. Die Notierungen sind aber hoch geblieben. In Thüringen ist der
Preis unter das Niveau von 40 Euro/Dezitonne gerutscht, in Brandenburg und
Sachsen wurden die 40 Euro erreicht. Die Rheinische Erzeugergemeinschaft
Kartoffel (Reka) hat Mitte Februar ihre Angebote um weitere zwei Euro je
Dezitonne erhöht.