USA verärgert: Mühlen kaufen preiswerten Weizen aus Europa
ADAMAs Blick in den Markt
Getreide
Der US-Weizenverband (USW) ist verärgert. Obwohl es in den USA ausreichend
Qualitätsweizen für die Vermahlung gibt, kaufen Mühlen preiswerten Weizen
aus der EU. Im laufenden Geschäftsjahr hat Polen 79.000 Tonnen Weizen über
den Atlantik hinweg verkauft. Auch deutscher Weizen soll seinen Weg in die
USA gefunden haben. Der USW bezeichnet die Vorgänge als "ungewöhnlich" und
"enttäuschend". Weizen aus der EU und Europa ist aber auch um 100
US-Dollar pro Tonne preiswerter als US-Weizen. Der hohe Preis für US-Ware
resultiert aus drei Jahren Trockenheit und gestiegenen Kosten für
Transporte und Energie in den USA.
Das hohe Angebot aus der Schwarzmeerregion hat die Preise in Europa unter
Druck gesetzt. Umgekehrt sind die Mengen von amerikanischem Winterweizen
(hard red wheat) in den beiden vergangenen Geschäftsjahren so gering wie
zuletzt 1957/58. Wegen der hohen Trans‐ portkosten für die Eisenbahn
bleibe der Importweizen aber bei den küstennahen Getreidemühlen und
gelange nicht weiter ins Landesinnere, so der USW.
Allerdings bereitet die anhaltende Trockenheit in Europa Kummer. Noch wird
die Weizen-Erntemenge als überdurchschnittlich geschätzt. Das kann sich in
den nächsten Wochen ändern, wenn es weiter zu heiß und zu trocken bleibt.
Einen kleinen Sprung nach oben haben die Weizenpreise schon gemacht. Dass
es nicht mehr als knapp 240 Euro pro Tonne sind, liegt am zurückhaltenden
Kaufinteresse spanischer Kunden. Das von Dürre geplagte Land hat sein
Kaufinteresse für europäischen Weizen mit Lieferungen für August 2023
schon in das nächste Geschäftsjahr gelegt.
Raps und Ölsaaten
Beim Rapskurs haben die ungünstigen Wetterbedingungen in Europa bereits
zugeschlagen und den Kurs Mitte Juni um 18 Euro auf über 450 Euro pro
Tonne gezogen. In Kanada sind die Preise für Canola-Raps ebenfalls
gestiegen und die USA verzeichnen steigende Sojakurse. Die steigenden
Preise fallen nur auf dem Papier auf, der tatsächliche Handel ist bis auf
wenige Partien eingeschlafen.
Kartoffeln
Im Handel befinden sich die letzten Lagerkartoffeln aus heimischer Ernte
des Jahres 2022. Frühkartoffeln aus Deutschland fehlen und werden wegen
der zurückliegenden Trockenheit auch knapp bleiben. Lückenfüller sind
Knollen aus Ägypten und Spanien. Trotz gestiegener Preise im
Lebensmittelhandel verläuft der Absatz flott.