Ukrainische Agrarrohstoffe: Überangebot auf dem polnischen Markt
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Der Rohölmarkt bleibt hartnäckig ruhig. Der Juni-Kontrakt für die
Nordseesorte "Brent" liegt bei knapp 85 US-Dollar je Barrel (159 Liter).
Die Ankündigung der OPEC+ (arabische und weitere Erdöl fördernde Länder)
von Anfang April, die Förderung zu kürzen, blieb genauso folgenlos wie die
bei konstanter Förderung leicht gestiegene Nachfrage nach Erdöl in den
USA.
Als Grund für einen fehlenden Preisanstieg gilt die Wiederaufnahme der
Rohöllieferung aus dem türkischen Ort Ceyhan an der Mittelmeerküste
nördlich von Syrien. Dort endet die Baku-Tiflis Ceyhan-Pipeline, die Rohöl
aus Aserbaidschan und Kasachstan in den Westen pumpt. Die Pipeline wurde
Anfang Februar nach dem Erdbeben in der Türkei gesperrt.
Getreide
Der Landweg für ukrainische Agrarrohstoffe hat in den östlichen
EU-Mitgliedsländern zu Marktstörungen geführt. In Polen haben Landwirte
einige Monate vor der neuen Ernte gegen den Verfall der Getreidepreise
demonstriert. Sie fürchten, dass die Lager mit ukrainischem Getreide
gefüllt sind und die eigene Ernte nicht mehr aufnehmen. Anfang April trat
daraufhin Polens Landwirtschaftsminister Henryk Kowalczyk zurück. Für eine
Lösung muss die Ukraine ihre Produkte über das Schwarze Meer exportieren
können oder Polen im Wettbewerb mit anderen europäischen Ländern neue
Märkte in Drittländern finden.
Am Karfreitag hat Russland erneut das Exportabkommen ukrainischer
Agrarrohstoffe über das Schwarze Meer infrage gestellt. Das Abkommen mit
einer Laufzeit von 120 Tagen wurde im November 2022 und noch einmal im
März 2023 verlängert. Der Zeitraum ab März wurde allerdings schon auf 60
Tage verkürzt.
Auf einer Pressekonferenz in der Türkei sagte Russlands Außenminister
Sergej Lawrow, dass der Westen die Ausfuhren Russlands für Getreide und
Ölsaaten sowie Dünger noch immer mit einer Deckelung von
Versicherungsprämien und Rückversicherungen sowie mit Beschränkungen beim
Ansteuern von Auslandshäfen belege. Russland könne das Abkommen jederzeit
aufkündigen. Der Ukraine stünden ausreichend Transportwege über Land und
Flüsse zur Verfügung. Außerdem solle die russische Landwirtschaftsbank
"Rosselkhozbank" wieder an das internationale Swiftsystem angeschlossen
werden. Eingefrorene Vermögen von im Exportgeschäft tätigen
Agrarunternehmen sollen freigegeben werden.
Die Sanktionen gegen Russlands Angriffskrieg haben den Export von
Agrargütern und Lebensmitteln ausgeklammert, aber es werden keine
Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen mehr geliefert. Auch das
soll nach Lawrow wieder erlaubt werden. Die weltweit tätigen
Getreidehändler Cargill und Viterra haben Ende März angekündigt, Russland
zu verlassen. Grund ist offenbar, dass Moskau mehr Kontrolle über den
Export übernehmen und seine strategischen Getreidereserven erhöhen will.
Aus den USA konkurrierten zu Beginn des Osterfestes zwei gegensätzliche
Meldungen. Rückläufige Kosten für Düngemittel und die Erwartung hoher
Erzeugerpreise sollen die aktuelle Aussaat von Sommerweizen begünstigen.
Die Weizenanbaufläche werde mit 20 Millionen Hektar neun Prozent über dem
Vorjahresniveau liegen. Die Witterung für das Wintergetreide gilt als gut.
Zum gleichen Zeitpunkt hieß es, die Aussaatfläche für Sommergetreide
(außer Durum) falle gegenüber 2022 um 2,4 Prozent niedriger aus und liege
damit auf dem niedrigsten Niveau seit 1972.
Zudem weist der Dürremonitor des US-Landwirtschaftsministeriums für Ende
März ernste Trockenheit für den winterharten Weizen in einigen Staaten
auf. In Nebraska und Kansas leiden derzeit fast alle Anbaugebiete von
Winterweizen an Trockenheit, in Colorado und Texas sind es 70 bis 88
Prozent des Winterweizens. In Kansas ist fast die Hälfte des
Wintergetreides ernsthaft durch Trockenheit beeinträchtigt. Ohne
Niederschlag in der zweiten Aprilhälfte komme das Getreide in arge
Wachstumsnöte. Und: Fast die gesamte Weichweizenregion leide unter einer
Feuchtigkeit, die zuletzt 1979 über das Land zog. Welche Nachrichten in
den nächsten Monaten überwiegen, entscheidet das Wetter.
Raps und Ölsaaten
In der ersten Hälfte des laufenden Wirtschaftsjahres 2022/2023 haben die
deutschen Ölmühlen 4,5 Millionen Tonnen Raps verarbeitet. Das sind fünf
Prozent weniger als im vergangenen Zeitraum. Aber auch die Verarbeitung
anderer Ölsaaten hat sich im gleichen Zeitraum um elf Prozent auf 1,6
Millionen Tonnen reduziert. Die verarbeiteten Spitzenmengen betrugen für
Raps im August 2022 rund 880.000 Tonnen und für andere Ölsaaten im
Dezember 260.000 Tonnen. Der ruhige Rohölmarkt ist keine Hilfe für die
Rapskurse. Die europäische Ölsaatenernte für Raps, Soja und Sonnenblumen
schätzt die EU-Kommission auf 33,5 Millionen Tonnen, das sind sieben
Prozent mehr als im Vorjahr und würde einem neuen Rekordniveau
entsprechen. Anfang April 2022 kostete eine Tonne Raps noch 950 Euro.
Heute notiert der Bundesdurchschnitt bei 473 Euro pro Tonne. Weltweit
werden im Geschäftsjahr 2022/2023 rund 375 Millionen Tonnen geerntet. Das
sind acht Millionen Tonnen weniger als in der Prognose von Februar 2023,
aber 17 Millionen Tonnen mehr als im vergangenen Zeitraum. Der weltweite
Verbrauch geht um fünf Millionen Tonnen zurück.
In Argentinien zeigt die anhaltende Dürre ihre Folgen. Die Prognose für
die kommende Ernte wurde um 3,6 Millionen Tonnen auf 41 Millionen Tonnen
reduziert. Bei den Exportländern lag Argentinien mit 4,3 Millionen Tonnen
in den Jahren zuvor nach Brasilien (92 Millionen Tonnen) und den USA (54
Millionen Tonnen) auf Platz 3. Durch die jetzt geringere Ernteerwartung
fällt das Land hinter Paraguay und Kanada zurück. Bei Sonnenblumen geht
nach hitzebedingten Schäden aus dem Erntejahr 2022 die Prognose für das
Erntejahr 2023 mit 54 Millionen Tonnen wieder zurück auf Normalniveau.
Mit einem deutlichen Plus von mehr als einer Million Tonnen darf die
Europäische Union mit 10,3 Millionen Tonnen Sonnenblumenkerne rechnen.
Auch für die Ukraine wird trotz Fortsetzung des russischen Angriffskrieges
mit einem Zuwachs von 1,5 Millionen Tonnen auf 13,5 Millionen Tonnen
gerechnet. Der Internationale Getreiderat schränkt aber ein, dass die
Aussaat in vielen Ländern noch nicht stattgefunden hat.
Kartoffelmarkt
Der seit Monaten ruhig dahinplätschernde Kartoffelmarkt ist auch kurz vor
Ostern nicht in Bewegung geraten. Lediglich die Großmärkte in Frankfurt
und München berichten von kontinuierlichem Umschlag. Die Märkte in Berlin
und Köln bewegten sich fast gar nicht. Der Zufluss an ausländischen
Frühkartoffeln nimmt langsam zu. Den Knollen aus Zypern gesellen sich
italienische Kartoffeln hinzu. Dominant bleibt die deutsche
Lagerkartoffel.