Trotz aller Witterungswidrigkeiten steuert die EU auf gute Ernteergebnisse zu
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Die Rohölanalysten blicken schon auf das umsatzstarke dritte Jahresquartal
und rechnen mit einer Unterversorgung. Die Spannungen im Nahen Osten und
die brennenden russischen Ölraffinerien überlagern die US-Meldungen zu
hohen Bestandsreserven. Daher steigt der Preis für ein Barrel (159 Liter)
der Nordsee-Sorte Brent auf über 85 US-Dollar, das sind fünf US-Dollar
mehr als während der beiden vergangenen Wochen. Am Freitag, dem 22. Juni,
rutschte noch die US-Meldung in die Nachrichten, dass die Rohölnachfrage
bei Destillaten und Benzin um 1,9 Millionen Tonnen auf 21,1 Millionen
Barrel am Tag ansteige. Dennoch bleibt die US-Konjunktur schwach und wird
den Anstieg des Rohölpreises eher begrenzen als weiter entfachen.
Der vierte Erntebericht des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) geht Ende
Juni nicht von Einbußen bei der Erntemenge aus. Die teilweise
sintflutartigen Regenfälle haben regional zu erheblichen Schäden geführt.
„Dies wirkt sich jedoch nicht auf die Gesamtmenge aus“, erklärt
DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler. Was allerdings für die Qualität
des Getreides bisher fehlt sind Sonnenstunden. Diese werden nun für das
letzte Juni-Wochenende für fast ganz Deutschland angekündigt. Der DRV
rechnet mit 42 Millionen Tonnen Getreide und 3,9 Millionen Tonnen Raps.
Ernteprognose in der Ukraine
Bis in den April hinein waren die Witterungsbedingungen in der Ukraine für
die Winterfrüchte günstig. Einem warmen Winter folgte im Osten
Trockenheit, während der gesamte Westen auf gute bis sehr gute
Niederschläge bauen konnte. Seit Juni leidet der Osten unter eine
Hitzewelle. Die Europäische Kommission hat Mitte Juni die aktuelle
Ernteprognose für die Ukraine insgesamt reduziert. Flächenausfälle gibt es
vor allem entlang der Front im Osten und Nordosten. Im Westen hat der
Sonnenblumenanbau mit einem Plus von 200.000 Hektar deutlich zugenommen,
was den Ertrag von 5,0 auf 5,4 Millionen Tonnen erhöhen wird. Das sind
acht Prozent mehr als 2023 und 45 Prozent mehr als der
Fünfjahresdurchschnitt.
Bei allen anderen Feldkulturen weisen die Gesamterträge deutlich nach
unten. Für Weizen liegt das Minus bei 25 Prozent, für Gerste bei zehn
Prozent und für Raps bei 12 Prozent.
Durch den fehlenden Niederschlag hat sich das Ausbringen von Sonnenblumen,
Mais und Sojabohnen bis in die erste und zweite Aprildekade verschoben,
Sojabohnen wurden zum Teil bis in den Juni hinein gedrillt. Starker Frost
am 10. Mai hat die Sommerkulturen geschädigt. Zu Ende Juni haben sich die
Früchte in der Vegetation zumeist wieder erholt, so dass Erntemengen in
der Höhe des Fünfjahresdurchschnitts erwartet werden.
Getreide
Qualitätsmindernd könnte sich ein durch die feuchtwarme Witterung
ausbreitender Fusarium-Befall im Getreide auswirken. Weizen ist davon
deutlich stärker betroffen als Roggen und Gerste. Mit den endlich
eintretenden Sonnenstunden werden die Mähdrescher in den
Frühdruschregionen die Maschinenhallen verlassen. Zuerst wird Wintergerste
geerntet, die im ganzen Bundesgebiet rasch abreift. Im Norden und Osten
dürfte die Ernte witterungsbedingt erst Anfang Juli starten. Danach folgen
Raps, Weizen und Roggen.
Der Start der Erntearbeiten auf der Nordhalbkugel drückt auf die Kurse.
Der September-Weizen als wichtigster Jahreskurs nach der Ernte verlor an
der Pariser Matif gleich 9,50 Euro und liegt bei 230 Euro je Tonne.
Die rumänischen Weizenbauern dürfen sich nach den ergiebigen
Niederschlägen auf eine Rekordernte von 10,45 Millionen Tonnen freuen und
könnten Ernteausfälle in Deutschland und Frankreich kompensieren. Die
insgesamt guten Ernteaussichten drücken auch den Preis für russisches
Exportgetreide, das weiterhin günstiger als EU-Ware bleibt.
Raps und Ölsaaten
Die alles in allem guten Ernteprognosen für Raps drücken auf den Preis,
der allein in der vorletzten Juni-Woche elf Euro pro Tonne verloren hat.
Die Ölmühlen halten sich mit Offerten zurück, weil sie wegen der zum Teil
schlechten Witterung in diesem Jahr zunächst auf die ersten Qualitätswerte
warten.
Bei Soja zeigt die aktuelle Hitzewelle in den USA noch keine Auswirkungen
auf den Preis. Belastet werden die US-Preise aber durch die erwarteten
Lagerbestände, die für das Ende des Wirtschaftsjahres 2024/25 auf 12,4
Millionen Tonnen geschätzt werden. Das sind fast drei Millionen Tonnen
mehr als die Bestände im Ende Juni ablaufenden Wirtschaftsjahr. Die
National Oilseed Processors Association (NOPA) führt die niedrigen
Endbestände im Jahr 2023/24 auf die Verarbeitung zurück, die im Mai 2024
mit fünf Millionen Tonnen Sojabohnen acht Prozent über dem Vorjahres- und
drei Prozent über dem Vormonatsniveau lag.
Die Sojaerzeugung der Europäischen Union hat sich in den vergangenen zehn
Jahren mehr als verdreifacht. Die EU-Kommission erwartet für 2024 eine
Ernte von knapp drei Millionen Tonnen Sojabohnen. Das sind sechs Prozent
mehr als 2023. Damit dürfte die Europäische Union die größte Sojaernte
seit Beginn der Markterfassung einfahren.
Kartoffeln
Die hohen Kartoffelpreise bleiben den Erzeugern erhalten, auch wenn der
Absatz saisonbedingt aktuell ruhiger verläuft. Spanische Frühkartoffeln
neigen sich dem Ende zu und werden sukzessive durch deutsche Ware ersetzt.
Spätestens in der ersten Juli-Woche wird mit der Lieferung von
Frühkartoffeln aus der Pfalz gerechnet.