Sinkende Öl- und Gaspreise drücken Düngerpreise: Landwirte profitieren beim Einkauf
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Die Kurse schmelzen wie Gletscher in der Sonne. Trotz Ankündigung einer
Drosselung der Fördermenge von Erdöl durch die OPEC+ (arabische und andere
erdölfördernde Staaten) um 1,16 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag ab
Mai fließt das schwarze Gold ungehindert in die Pipelines. Selbst Russland
hat seine angekündigte Drosselung um 0,5 Millionen Barrel am Tag noch
nicht umgesetzt.
Der Juli- Kontrakt steht bei 73 US-Dollar pro Barrel. Rezessionsängste in
den USA und Europa sowie eine schwache Nachfrage nach Diesel haben zu der
Talfahrt geführt. Vor 14 Tagen lag der Preis noch bei gut 85 US-Dollar pro
Barrel. Dadurch ist auch der Kurs von Gasöl gefallen, das ein wichtiges
Vorprodukt für Diesel und Heizöl ist. Das war Anfang Mai an der Tankstelle
abzulesen. Im Ruhrgebiet fiel der Dieselpreis auf unter 1,50 Euro pro
Liter. Der Preis für Normalbenzin lag bei 1,72 Euro pro Liter bundesweit.
Die Dieselpreise sinken seit Februar 2023.
Weil im Zusammenhang mit dem Ölpreis auch die Gaspreise weiter sinken,
fallen auch die Düngerpreise. Die Lager sind noch immer voll, die
Landwirte sparen beim Einkauf, Russland drückt billiges Ammoniak in den
Weltmarkt, und für die Hersteller von Stickstoffdünger sinken die
Energiekosten. Der Maikontrakt für Harnstoff in den USA lag bei 360
US-Dollar je Tonne. Für die Lieferung im Juni sind die Preise schon auf
305 US-Dollar gefallen.
Getreide
Der tiefste Wert des Getreidekurses seit 19 Monaten lässt weitere unruhige
Tage vermuten. So bleibt unklar, wie die durch die osteuropäischen
EU-Mitgliedsländer geschleusten Getreidelieferungen aus der Ukraine jetzt
den westeuropäischen Markt belasten und ob Russland am Getreideabkommen
für das Schwarze Meer festhält.
Russland schiebt der Ukraine den Drohnenvorfall über dem Kreml zu und
könnte als Gegenaktion das Lieferabkommen von Agrarprodukten über das
Schwarze Meer stoppen. Das aktuelle Abkommen läuft am 18. Mai aus, die
Türkei berät als Vermittler zusammen mit den Vereinten Nationen über eine
Verlängerung.
Unabhängig davon ist am 2. Mai die russische Exportsteuer in Höhe von 63
Euro für eine Tonne Getreide ausgelaufen. Das hat den Verkaufserlös für
Exporteure auf rund 170 Euro pro Tonne gesenkt und verlangsamt bereits den
Export. Hält der Trend an, fallen die Getreidepreise in Europa bald wieder
unter die Gestehungskosten. Die neue Ernte wird durch hohe Lagerbestände
belastet. Ägypten ist zwar mit neuen Ausschreibungen auf den Weltmarkt
zurückgekommen, hat aber auf die von Russland gesetzten sehr niedrigen
Angebote zurückgegriffen. Das erschwert den Export von Weizen aus der EU.
Raps und Ölsaaten
Die EU prognostiziert eine Rapsernte von 20 Millionen Tonnen. Das wäre
nach 2014 mit 21,8 Millionen Tonnen die zweithöchste Erntemenge in der EU.
Die 6 beiden wichtigsten Anbauländer Frankreich und Deutschland liegen mit
jeweils 4,5 Millionen Tonnen nahezu gleichauf und legen gegenüber 2022
leicht zu. Ein Plus verzeichnet auch Litauen.
Die größte Steigerung erzielt Rumänien mit 1,6 Millionen Tonnen gegenüber
1,2 Millionen im Jahr 2022. Eine so große Ernte gab es zuletzt 2016. Das
Ernteplus dieser vier Länder überkompensiert den Ertragsrückgang in Polen
und Dänemark. Durch diese Zunahme und den steigenden Rapsimport in die EU
stehen die Kurse unter Druck.
Kartoffeln
Bei Kartoffeln zeichnet sich ein fester Markt ab. Der Juni-Kontrakt hat
den historischen Höchststand von 42 Euro pro Dezitonne erreicht. Das hängt
offenbar mit dem knappen Markt an Tiefkühl-Kartoffelerzeugnissen zusammen.
Deren Absatz ist 2022 um 1,1 Tonnen auf ein neues Niveau von über 470.000
Tonnen gestiegen. Vor allem TK-Fritten bleiben trotz festerer Preise
gefragt. Der schwache Wechselkurs des Euro hat den Export von Pommes
frites sogar noch beschleunigt.
Zucker
Die Zuckerpreise in New York sind auf ein Elf-Jahres- Hoch geklettert. Das
nahm die europäische Notierung mit, die einen Wert von 690 US-Dollar an
der europäischen Weißzuckerbörse in London mit sich brachte. Die hohen
Kurse in New York wurden fällig, weil der physische Zuckermarkt begrenzt
ist und Händler vor Ablauf des Mai-Kontraktes "short" gehen mussten. Dabei
wurden immer höhere Preise aufgerufen. Die weltweit knappe
Zuckerversorgung setzt sich fort. Mit dem Start der Zuckerrohrernte in
China, Thailand, Indien und Pakistan sind die Ernteprognosen wegen der
Trockenheit deutlich zurückgegangen.
Trockenheit wird auf den Zuckermärkten ein dauerhaftes Thema, denn die
Wahrscheinlichkeit für einen El-Niño-Effekt im Pazifik liegt bei 62
Prozent. Die warme und trockene Witterung wirkt vor allem auf die
Rohrzuckerländer, die 80 Prozent der Zuckerernte liefern - Zucker aus der
Rübe hat nur einen Anteil von 20 Prozent. Auch die All India Sugar Trade
Association hat die Prognose für die Rohrzuckerernte bis September um drei
Prozent gesenkt. In der wichtigsten Anbauregion in Maharashtra hat es
ungewöhnlich viele Niederschläge gegeben. Indien ist nach Brasilien das
zweitwichtigste Land für die Rohrzuckererzeugung. Möglicherweise wird die
indische Regierung bei einer Gesamternte von nunmehr 36 Millionen Tonnen
den Export zugunsten der Eigenversorgung einschränken.