Schlechte Ernte, niedrige Preise – das Paradoxon hält an
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Mitte August sind die Septemberkontrakte für Weizen ausgelaufen. Der nächste Fronttermin ist der Dezember. Der Anstieg des Euro gegenüber dem US-Dollar verlangsamt den EU-Export. Die europäischen Maispreise stehen gegenüber 2023 durch hohe Importmengen unter Druck. Raps hat Mitte August durch sinkende Pflanzenölnotierungen weltweit seinen größten Kursverfall zu verzeichnen. Die guten Wetterbedingungen in den USA haben an der Chicagoer Börse die Sojakurse erheblich unter Druck gesetzt, was die Fonds zum Verkauf von Agrar-Futures veranlasst hat.
Alle Gründe für Preissteigerungen verpuffen in der ersten Augusthälfte vollständig: Algerien hat die Ausschreibung für rund 500.000 Tonnen Durum geschlossen, Ägypten hat mit mehr als zwei Millionen Tonnen außergewöhnlich große Ausschreibungen für Weichweizen bis 2025 lanciert, im Nahen Osten bewegt sich das politische Risikobarometer unverändert auf „kurz vor Ausbruch eines großen Krieges“, die ukrainische Vorwärtsverteidigung in der Region Kursk und neue Zerstörungen der Hafenlogistik im Hafen von Odessa – nichts davon stützt die Kurse.
Die Rohölpreise liegen Mitte August bei gerade einmal 80 US-Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordseemarke Brent. Streng genommen ist es richtig, wenn Analysten von Wochenverlusten und Wochengewinnen sprechen. Das Preisniveau liegt langfristig aber auf sehr niedrigem Niveau.
Getreide
Die EU steuert mit 116,5 Millionen Tonnen Weichweizen auf die niedrigste Getreideernte seit 2018 zu. Einen bullischen Trend gibt es lediglich aus den USA. Dort ist die Ethanolerzeugung auf über eine Million Barrel pro Woche angestiegen, was positiv auf die Getreidepreise wirkt. Paradoxerweise resultiert der Boom aus der Nutzung von preiswertem Getreide und Mais.
Russland hat mittlerweile seine Exportsteuer für Weizen ganz gestrichen und flutet den Weltmarkt auch bei geringerer eigener Getreideernte.
Die Europäische Union finanziert den Ausbau der Häfen im Schwarzen Meer mit rund 50 Millionen Euro. Der Wiederaufbau entlastet die Solidaritätskorridore. Nachdem die Ukraine die russische Schwarzmeerflotte im westlichen Meeresteil vertrieben hat, sinken auch die Versicherungsprämien für die Agrarfrachten. Zudem etabliert sich die Türkei als neue Drehscheibe für ukrainisches Getreide in die Welt.
Die im badischen ansässige ZG Raiffeisen ging Anfang August in ihrer Pressekonferenz von einer unterdurchschnittlichen und regional sehr unterschiedlichen Ernte bei Getreide aus. Da die Agrarpreise derzeit nur den Abwärtstrend kennen, unterstreicht die ZG Raiffeisen ihre Preisabsicherungsprämie: Landwirte können sich gegen einen Betrag von 12,50 Euro pro Tonne ab einer Anlieferung von 50 Tonnen Weizen, Dinkel, Raps, Mais oder Soja gegen fallende Preise schützen, ohne auf die Chancen für steigende Kurse verzichten zu müssen. Nach ZG-Raiffeisen-Vorstand Holger Löbbert haben die Produzenten im vergangenen Jahr dadurch rund sechs Millionen Euro mehr ausbezahlt bekommen.
Raps und Ölsaaten
Die EU-Kommission hat die europäische Rapsernte erneut nach unten korrigiert und prognostiziert jetzt ein Erntevolumen von 18,4 Millionen Tonnen. Das sind 0,3 Millionen Tonnen weniger als in der Juliprognose, aber mehr als das langjährige Mittel von 17,8 Millionen Tonnen. Das Minus resultiert aus einer geringeren Ernte in Frankreich, die mit 3,9 Millionen Tonnen unter dem Vorjahresergebnis von 4,3 Millionen Tonnen liegt. Für Deutschland liegen die Prognosen zwischen vier Millionen Tonnen (Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen UFOP) und 3,8 Millionen Tonnen (DRV).
Der Trend sinkender Preise hält bei Ölsaaten global weiter an. Nach Angaben des russischen Zolls wurden die Ausfuhren von pflanzlichen Ölen nach China im ersten Halbjahr 2024 um mehr als 36 Prozent gesteigert. Ganz vorn steht dabei der Export von Sonnenblumenöl, der um das Sechsfache gestiegen ist. Das Föderale Zollamt Russlands hat keine Mengenangaben veröffentlicht.
Kartoffeln
Die zweite Saisonhälfte für Frühkartoffeln zeigt ein neues Gesicht. Bis in den Mai hinein haben Händler händeringend nach Frühkartoffeln gesucht. Importe aus Ägypten, Israel und Spanien haben den Bedarf nie decken können. Für die Erzeuger gab es ein stabiles Preishoch. Der Handel nahm auch nicht schalenfeste Ware ab, sodass es einen „Vermarktungsvorsprung“ gab. Günstiges Wetter und ausreichend Niederschläge haben ab Juni auch nicht vorgekeimten Knollen beste Wachstumsbedingungen beschert. Der Markt wechselte zu einem Angebotsmarkt mit sinkenden Preisen. Der Blick auf die Haupternte ist spannend. Kartoffelfelder zeigen aktuell Lücken. Der Anbau ist gekennzeichnet durch Nachpflanzungen mit Auflaufproblemen, Überschwemmungen und durch viel Niederschlag in die Tiefe gespülte Nährstoffe, die den Kartoffeln fehlen. Wie es mit den Preisen weitergeht ist offen, aber wer gute Qualitäten anbietet, darf auf hohe Preise hoffen.
Die Nachfrage nach Kartoffeln ist spürbar gering. Die Anlieferung von deutschen Frühkartoffeln füttert den Markt, der auf das Überangebot jetzt mit sinkenden Preisen reagiert. Der April-Future liegt aber bereits bei nur noch 28,50 Euro pro Dezitonne. Die Landwirte setzen auf eine höhere Nachfrage nach Ende der Ferienzeit.
Auf den Betrieben bleibt die Arbeit für die witterungsbedingte Aussortierung hoch, schwülwarmes Wetter sorgt bei der Kühlung für Probleme. Die fehlende Schalenfestigkeit verringert die Lagerfähigkeit der Knollen.
Niederländische Händler beklagen auch den Preisverfall für Veredlungsware. Kartoffeln für die Chipsproduktion sind Mitte August um sieben Euro auf unter 25 Euro je Dezitonne gefallen.