Rohstoffmärkte: Wetter entscheidender als politische Krisen
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeine Marktentwicklung
20 Monate Krieg gegen die Ukraine und vier Wochen Krieg gegen Israel haben
die Rohstoffmärkte bislang nur tageweise aus dem Konzept geworfen. Ende
Oktober bewegte sich der Rohölpreis „seitwärts“ und liegt nun wieder bei
unter 90 US-Dollar für einen Barrel (159 Liter) der Nordseemarke „Brent“.
Die Energiepreise folgen den Konjunkturdaten, und die Rohstoffpreise für
die Agrarmärkte sind vom Wetter beeinflusst. Wegen mangelnder
Betriebsmittel und Kapital haben die Landwirte in der Zentralukraine
Weizen in diesem Jahr ohne Dünger ausgebracht. Nach einem allgemeinen
Rückgang der Aussaatfläche für die Ernte 2024 droht mit einem Rückgang der
Erträge im nächsten Jahr ein Abschied des Landes vom Weltmarkt. Wie lange
Russland seine Dumpingexporte für Weizen aufrechterhalten kann, ist offen.
Nach Aussagen eines ehemaligen Beraters russischer Betriebe haben die
dortigen Großbetriebe den gleichen Kostenaufwand pro Hektar wie ihre
Kollegen in Westeuropa – und das bei halbem Ertrag. Alleine der Transport
von Weizen aus Sibirien bis an das Schwarze Meer kostet zusätzliche 30
Euro pro Tonne. Es stellt sich die Frage, ob Russland den Agrarbereich
langfristig – also jenseits der Kriegswirtschaft – im gleichen Maß wie
heute subventionieren kann. Solche Überlegungen scheinen aber bei
Einrichtungen wie der Welternährungsorganisation FAO bislang nicht
angekommen zu sein. Die aktuellen Rohstoffpreise bilden keine Risiken der
nahen Zukunft ab.
Getreide
Der auch durch die Exporte aus der Schwarzmeerregion bedingte globale
Angebotsdruck bei Getreide und Mais hat die Preisnotierungen an der
Rohstoffbörse in Paris Ende Oktober nach unten gedrückt. Russland wuchert
mit 140 Millionen Tonnen Weizen und erreicht damit die zweithöchste Ernte
seiner Geschichte. Rund 60 Millionen Tonnen sind für den Export
vorgesehen. Niederschläge in Argentinien und Australien haben die
Dürresorgen erst einmal beseitigt. Dass die Getreide- und Maispreise nicht
weiter fallen, ist dem überraschenden Import Chinas aus den USA zu
verdanken. Außerdem hat Indien seinen Weizenpreis auf dem Binnenmarkt um
sieben Prozent erhöht, um ein Abfließen auf den Weltmarkt zu verhindern.
Das nährt Spekulationen, dass das Land in absehbarer Zeit als Weizenkäufer
auf dem Weltmarkt aktiv wird.
Das nordamerikanische Büro der niederländischen Rabobank geht von einer
sehr guten Maisernte der USA aus. Wie sich das auf die Ethanolproduktion
auswirkt, wird unterschiedlich diskutiert. Das
US-Landwirtschaftsministerium geht von zusätzlichen drei Millionen Tonnen
Mais für die Ethanolindustrie aus, das US-Ministerium für Energie dagegen
prognostiziert ein Minus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die
Entwicklung hängt auch vom Futterbedarf in der Tierhaltung ab. Ein
mögliches Plus von 1,4 Millionen Tonnen Schlempe aus der Ethanolproduktion
wird nach Ansicht der Rabobank bei stagnierender Geflügelpopulation und
sinkenden Mastschweinebeständen schwer abzusetzen sein.
Raps und Ölsaaten
Bei Raps gibt es Ende Oktober Schwankungen von bis zu 20 Euro innerhalb
einer Handelswoche. Der optimistische Ausblick auf die Sojaernte in
Südamerika für 2024 drückt auf die Preise. Auch der Rapsexport aus der
Ukraine läuft über Moldawien und Rumänien zufriedenstellend. Die Union zur
Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) hat bis Mitte Oktober
gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Rückgang der europäischen
Rapsimporte aus Drittländern um 38 Prozent auf 1,2 Millionen Tonnen
festgestellt. Der ausgiebige Niederschlag in Deutschland hat die Pläne der
Binnenschiffreedereien, einen Niedrigwasserzuschlag zu erheben,
fortgespült. Gehandelt wird aber Ende Oktober nahezu ausschließlich mit
Terminkontrakten.
Die Sojakurse werden durch ein belebtes Exportgeschäft mit Soja und Schrot
aus den USA vor allem nach China gestützt. Die guten Witterungsbedingungen
in den USA haben die Sojaernte bis kurz vor den Abschluss gebracht. Die
niedrigen Rohöl- und Gaspreise bieten dem Kurs für Sojaöl keinen Anreiz
für Aufwind.
Kartoffeln
Die regnerische Witterung sorgt bei Ernte und Einlagerung von
Industriekartoffeln für Einschränkungen mit fester gestimmten Preisen. Mit
Blick auf die Wetterkarte mehren sich Sorgen, dass nicht mehr alle
Industriekartoffeln gerodet werden können und die benötigten Qualitäten
verfehlt werden. Vereinzelt wurden die Notierungen für gute Ware
angehoben. Bei den Speisekartoffeln ist die Ernte weitgehend abgeschlossen
und die Läger sind voll. Wo Knollen noch in der Erde stecken, wird
Lagerware mit einem Lageraufschlag von bis zu vier Euro pro Dezitonne
(Brandenburg) verkauft. Vor allem Landwirte mit geringer Schlagkraft haben
noch Kartoffeln in der Erde. Preislich hat die jetzt stockende Ernte keine
Auswirkungen, weil die Nachfrage geringer als das Angebot ist.