Rekordernten in Kanada und Australien erwartet – europäischer Getreidekurs steht unter Druck, verhaltene Nachfrage bei Kartoffeln
ADAMAs Blick in den Markt
Rohöl
Ende Januar haben die Bullen an den Ölmärkten Auftrieb und setzen den
Preis für die Nordseesorte "Brent" bei knapp unter 88 US-Dollar je Barrel
(159 Liter) fest. Grund sind offenbar sinkende Corona-Infektionsraten in
China nach Aufhebung der Quarantänepflicht. Damit verbunden erwarten
Analysten eine wirtschaftliche Belebung.
In Russland macht sich der Rohölboykott als neueste Sanktionsmaßnahme der
wichtigsten G7-Länder bemerkbar. Das Land habe Schwierigkeiten, sein Rohöl
auf anderen Märkten abzusetzen, so die Analysten. Die erweiterte Gruppe
der Erdölfördernden Staaten (OPEX+) zeigt derzeit keine Anzeichen für eine
Erhöhung der Fördermenge. Gleichzeitig haben die neuen Streiks in
Frankreich negative Auswirkungen auf die Erzeugung von Produkten auf
Rohölbasis in West- und Mitteleuropa.
Weizen: Kanada und Australien
Mit einem Plus bei der Anbaufläche und ausreichender Bodenfeuchtigkeit zur
Aussaat für das Erntejahr 2022 darf Kanada auf einen Mehrertrag bei Weizen
von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr hoffen. Mit 33,8 Millionen Tonnen lag
der Ertrag wieder auf dem Dreijahresniveau vor der Dürre im Jahr 2021. Die
sehr guten Qualitäten haben den Anteil von Brotweizen gegenüber
Futterweizen gesteigert. Bis zum Ende des laufenden Wirtschaftsjahres wird
Kanada mehr Weizen als in den Vorjahren nach China, Japan, Indonesien und
Südamerika exportieren. Allein im Oktober 2022 hat Kanada die Rekordmenge
von 525.000 Tonnen Weizen nach China verkauft.
In einigen kanadischen Provinzen wie Saskatchewan und Alberta ist die
Gefahr von Heuschreckenschwärmen in den Weizenanbaugebieten gestiegen.
Als Folge einer Wiederholungsprüfung für Pflanzenschutzmittel mit dem
Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin laufen die Zulassungen für die Anwendung bei
Nahrungspflanzen für zwei der beliebtesten Mittel gegen Heuschrecken im
April 2023 aus. Dies betrifft bereits die Anbausaison 2023/2024. Die
Hersteller Syngenta und ADAMA haben im November 2022 ihre Produkte bereits
vom Markt genommen. Für Futtermittel dürfen sie zwar noch verwendet
werden, Landwirte wissen aber im Voraus nicht immer, ob Weizen im Trog
oder beim Bäcker landet. Die kanadische Regierung geht nicht von einem
signifikanten Schadensereignis für die nächste Anbausaison aus.
Im Vergleich mit den vergangenen Jahren zeigt sich zudem ein Rückgang bei
der Rinderproduktion in den Feedlots in Alberta und Saskatchewan bei
Herden ab 1.000 Stück Rindvieh. Im gleitenden Fünf-Jahresvergleich hat die
Zahl der Rinder auf der Basis der Getreidefütterung von 1.000 auf 800 pro
Betrieb abgenommen. Davon profitieren die Provinzen mit ausreichend
Weideland.
Auf der Südhalbkugel blickt Australien im laufenden Wirtschaftsjahr auf
die dritte Rekordernte von Weizen in Folge - 37 Millionen Tonnen wurden
geerntet. Bei Gerste sind es 13 Millionen Tonnen. Bislang haben nur
schwere Niederschläge im September und Oktober in den Bundesstaaten New
South Wales und Victoria Einbußen beschert. Die Bandbreite aber reicht von
Totalausfall bis Rekordernte. Die Mitte Januar 2023 veröffentlichten neuen
Zahlen für Gesamtaustralien schmälern das prognostizierte Rekordergebnis
nicht. Die Weizenexporte werden sich auf geschätzte 28 Millionen Tonnen
belaufen.
Die guten Witterungsbedingungen haben auch das Wachstum des Weidelands
verbessert und sorgen für einen Wiederaufbau der nationalen Rinderherde.
Die Rindfleischerzeugung wandert bereits von den Feedlots auf
Getreidebasis zu den Betrieben mit Weidegang. Im Wirtschaftsjahr 2021/2022
hat Australien 27,5 Millionen Tonnen Weizen exportiert. China ist seit
drei Jahren mit sieben bis zehn Millionen Tonnen der größte Abnehmer.
Getreide
Generell stehen die europäischen Getreidekurse unter Druck. Der feste
Eurokurs und hohe Angebote aus Australien und Indien schmälern den Export
und erhöhen das Inlandsangebot. Russischer Weizen hat Ausschreibungen der
Türkei und Ägyptens in großen Teilen gewonnen und bleibt trotz höherer
Versicherungsprämien für die Schwarzmeerroute günstiger als Getreide ab
dem französischen Hafen Rouen. Möglich ist aber auch, dass Russland
weniger Weizen exportiert und in der prekären wirtschaftlichen Lage seine
eigenen Bestände aufstockt.
Ende Januar hat der in Argentinien einsetzende Regen für Entspannung
gesorgt und die Maiskurse unter Druck gesetzt.
Raps und Ölsaaten
Mit dem angekündigten Ende der deutschen Biokraftstofferzeugung sind die
Rapskurse erneut gesunken. In der letzten Januarwoche verlor der Rapskurs
mehr als 23 Euro pro Tonne und liegt jetzt bei knapp 530 Euro. Es gibt
aber auch gute Nachrichten. Die für 2023/2024 gestiegene Anbaufläche für
Raps in Europa gleicht den Rückgang der Flächen in Ozeanien und Australien
nicht aus, was auf steigende Preise hindeuten könnte. 40 Millionen Hektar
weltweit sind insgesamt 1,5 Prozent weniger als die Fläche 2022/2023.
Kartoffeln
Die Nachfrage ist verhalten und sorgt maximal für stabile Preise. Der
Lebensmitteleinzelhandel hat derzeit genug Ware auf Lager, die erst noch
vermarktet werden muss. Zudem landen vermehrt Biokartoffeln auf dem
konventionellen Markt und sorgen für eine Sättigung.