Prognose für 2024: Preise stabiler auf niedrigerem Niveau, Futtermittel erschwinglich
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeine Marktentwicklung
Die Börsen befinden sich auf den „letzten Metern“ des Jahres. Mitte
Dezember fallen die letzten Zinsentscheidungen der großen Zentralbanken.
Die offensichtliche Verlängerung der Waffenruhe in Nahost zum Stand 28.
November gibt den zurückhaltenden Händlern Recht, die in den vergangenen
acht Wochen keine Panik in die Kursnotierungen gebracht haben. Der
Januar-Kontrakt für einen Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent
notiert bei niedrigen 80 US-Dollar. Ende November findet zwar noch einmal
ein digitales Treffen der erdölfördernden Staaten (OPEX+) statt, aber die
Vorankündigung, die Fördermenge noch weiter zu senken, hat die Händler
unbeeindruckt gelassen.
Die Blicke wenden sich vielmehr schon auf die Prognosen für das Jahr 2024.
Und da meldet die niederländische Rabobank ruhigere Zeiten auf den Märkten
für Agrarrohstoffe. Die Inflation werde sinken, die Preisvolatilität
ebenfalls, und weitere Entspannungssignale sollen im Jahresverlauf folgen.
Allein die vom Wetterphänomen El Niño direkt beeinflussten Rohstoffe wie
Zucker, Kaffee und Kakao sollen trockenheitsbedingt Kapriolen schlagen.
Gute Zuckerernten in Indien und Brasilien sollten die Folgen für diesen
Markt aber dämpfen. Sinkende Preise für Getreide und Ölsaaten werden aus
Sicht der niederländischen Marktanalysten ihre positiven Signale an
Bäckereien, Milchviehbetriebe und Futtermittelhersteller weitergeben. Bei
Grobgetreide wie Mais und Ölsaaten werden die Lagerbestände zum Ende des
Wirtschaftsjahres um zwei bis vier Prozent ansteigen. China könnte wegen
der sinkenden Preise wieder stärker als Käufer auf dem Weltmarkt aktiv
werden.
In Kürze: El Niño wird Palmöl auf ein neues Preisniveau anheben;
preiswertes Futter erlaubt die Aufstockung der Nutzviehbestände; Weizen
bleibt trotz anhaltender Versorgungsknappheit stabil, weil Käufer auf Mais
ausweichen können; Zucker, Soja, Sojaöl und Kaffee geben keinen Anlass für
Preissteigerungen. Allerdings gibt es Unsicherheiten, die diese
beschriebene Basislinie für 2024 heftig durcheinanderwirbeln können.
Extremwetter kann lokal Zerstörungen anrichten, neue bewaffnete Konflikte
bedrohen das Gleichgewicht, und der Welthandel bindet sich an die
Entwicklung der US-Wirtschaft und lehnt sich wieder mehr an den US-Dollar
an. Das schlimmste Szenario, das die Rabobank für 2024 zeichnet, ist eine
Fragmentierung des Welthandels mit negativen Folgen für die entkoppelten
Wirtschaftsregionen.
Getreide
Akteure an der Getreidebörse in Paris haben Zeit, sich auf einzelne
Ereignisse zu konzentrieren. Neue Zerstörungen der ukrainischen
Hafeninfrastruktur durch russische Raketenangriffe haben zu einem kleinen
Aufwärtstrend geführt, der eher den mittelfristigen bärischen Trend
aufzuhalten vermag. Russland kann damit sein großes Exportangebot in die
Schaufenster stellen und dem teureren EU-Weizen das Wasser abgraben. Die
Käufer aus dem Nahen und Mittleren Osten wissen das zu schätzen. Für die
EU gibt es derzeit nur Meldungen aus Westfrankreich, wo anhaltender
Niederschlag die Aussaat des Wintergetreides beeinträchtigt hat. An den
Börsen werden die französischen Erträge 2024 schon jetzt als negativ
bewertet.
Raps und Ölsaaten
Die Rapspreise folgten im November den brasilianischen
Witterungsbedingungen für die Sojaaussaat. Trockenheit hatte die Aussaat
zunächst deutlich verzögert und den Rapskurs im Schlepptau der
Sojanotierungen nach oben gezogen. Ende November hat Niederschlag die
Aussaat wieder begünstigt und die Kurse nach unten gedrängt. Läuft alles
glatt, wird Brasilien 2024 eine Rekordernte an Soja einfahren. Der
europäische Rapskurs fällt aber auch wegen des festeren Euros, der
Rapsexporte erschwert und das Auslassventil verkleinert. Aufwärts geht es
nur mit Rapsschrot, für das bei prompter Lieferung Ende November mit 314
Euro pro Tonne 12 Euro mehr als in der Vorwoche bezahlt werden. Die
Mischfutterhersteller decken sich für die Saison 2024 ein – mit physischer
Ware und mit Terminkontrakten. Die Nachfrage nach Rapsschrot resultiert
aus dem Mangel an Sojaschrot. Der Preis für konventionelles Soja liegt bei
545 Euro pro Tonne, gentechnikfreie Ware bei 577 Euro pro Tonne. Hier
musste der Preis aber nachgeben, weil offenbar eine Obergrenze erreicht
ist. Einige Mühlen können Sojaschrot erst wieder ab Dezember anbieten.
Kartoffeln
In Thüringen wird tatsächlich noch Feldware abgepackt, weil die Knollen
günstiger als Lagerware sind. Auch in Sachsen-Anhalt gibt es Flächen, die
noch nicht gerodet sind. Beide Meldungen stammen aber von der Zeit vor dem
Wintereinbruch mit viel Neuschnee. Bei Konsumenten kann Aktionsware im
Lebensmitteleinzelhandel (LEH) punkten. Höherpreisige Ware bleibt aber
liegen. Sehr früh hat der LEH mit den ersten Preisabsprachen zum
Weihnachtsfest begonnen. Der Discount hat die Preise bereits festgezurrt.
Wer beim Weihnachtsgeschäft zu kurz gekommen ist, muss auf das neue Jahr
warten.