Neuer Nahost-Konflikt: Auswirkungen auf Preisentwicklung noch offen
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeine Marktentwicklung
Der Überfall der Terrorgruppe Hamas auf Israel in der ersten Oktoberwoche
hat die Rohölbörse zunächst nur kurzfristig nervös gemacht. Der
Dezember-Kontrakt für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte „Brent“
steht bei knapp über 90 US-Dollar. Der weitere Verlauf hängt von den
weiteren Geschehnissen im Nahen Osten ab. Teuer könnte es werden, wenn mit
der Ausweitung des Nahostkrieges der Iran die Meerenge von Hormus
blockiert. Über diese werden täglich 17 Millionen Barrel Rohöl in die Welt
transportiert. Die USA und Europa haben wegen ihrer Wirtschaftsschwäche
die Öleinfuhren gedrosselt. Nur China importiert derzeit sehr viel und
würde bei weiter stark steigenden Preisen erheblich leiden.
Getreide
Weizen aus der Schwarzmeerregion ist reichlich vorhanden. Ägypten hat bei
einer Ausschreibung für 480.000 Tonnen auf russischen Weizen
zurückgegriffen. Wie lange der Weizen allerdings noch preiswerter als
europäische Ausfuhren bleibt ist offen, denn Moskau liebäugelt mit einem
Mindestpreis, der die Angebote teurer machen würde.
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir versprach auf seiner
Westbalkanreise im ersten Oktoberdrittel eine neue Exportroute für
ukrainische Agrargüter über Moldau und Kroatien. Die Kapazitäten über die
Donau sind aber schon ausgereizt, und der Landweg bis zur Adria macht die
Güter teurer als über Osteuropa. Der Pro-Europäer Donald Tusk wird nach
seinem Wahlsieg bei den polnischen Parlamentswahlen Marktsituation klarer
einschätzen als die noch im Amt befindliche PiS-Regierung und auf dem
Binnenmarkt für weniger Nervosität in Bezug auf ukrainischen Weizen
sorgen.
Dem Weizenpreis an der Pariser Rohstoffbörse Matif hat der Nahostkonflikt
keinen Schub verliehen. Der Fronttermin sackte um drei Euro ab, der
Dezemberkontrakt hat mit einem Minus von sechs Euro den tiefsten Stand
seit Juni 2023 erreicht. Die steten Zerstörungen der ukrainischen
Ausfuhrinfrastruktur haben eher eine langfristige Wirkung. Vor dem
Hintergrund der hohen Exportmengen dürften die laut ukrainischen Angaben
vernichteten 300.000 Tonnen Weizen keine Katastrophe sein.
Raps und Ölsaaten
Der schwache Euro hat europäischen Raps gegenüber Importen attraktiver und
daher auch teurer gemacht. Schlechte Meldungen kommen derzeit nur aus
Australien, wo die Dürre die Rapserträge schmälern könnte. Die Aufgelder,
die einige Händler aufgrund der knappen Versorgungslage anbieten, bleiben
folgenlos, da die Erzeuger in Erwartung höherer Preise – bis auf mögliche
Ausnahmen zur Liquiditätssicherung – kein Interesse am Verkauf ihrer Ware
haben. Im Bundesdurchschnitt ist der Rapspreis auf unter 400 Euro pro
Tonne gefallen. Alle Ölsaaten werden über den Rohölpreis und die
politischen Folgen des Konflikts im Nahen Osten gestützt. Gebremst wird
der Sojapreis durch die fortschreitende Ernte in den USA und hohe
Erntemengen in Brasilien.
Kartoffeln
Die Ernte von Speisekartoffeln in Deutschland ist noch nicht beendet. Das
bis Mitte Oktober günstige Wetter hat die Rodearbeiten und das Einlagern
begünstigt. Nicht lagerfähige Partien werden kurzfristig abgegeben und
erhöhen das Angebot; in Mecklenburg-Vorpommern mussten Kartoffeln sogar
wieder ausgelagert werden. Die Erzeugerpreise liegen bundesweit bei 28 bis
30 Euro je Dezitonne. Die Nachfrage ist saisonbedingt schwach: Mit den
Herbstferien und der damit verbundenen Reisetätigkeit sinkt die heimische
Nachfrage, und Konsumenten, die selbst Kartoffeln anbauen, sind mit der
eigenen Ernte gut versorgt.