Neue Zollregeln für ukrainischen Zucker könnten die Preise stimulieren
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Nur wenig Entlastung auf dem Markt für landwirtschaftliche Betriebsmittel
hat das Statistische Bundesamt (Destatis) Mitte März ausgewiesen. Der
aktuelle Preisindex im Januar lag mit 130,6 Punkten nur 7,5 Prozent unter
dem Vorjahresmonat. Am stärksten fielen Düngerpreise (-35 %) und
Futtermittelpreise (-10 %). Die Kosten für Pflanzenschutzmittel sind um
sechs Prozent gestiegen, günstiger wurden Energie und Schmierstoffe – aber
nur gegenüber dem Vorjahr, gegenüber den Jahren davor blieben sie stabil.
So kostet Diesel aktuell 15 Prozent mehr als im Herbst 2023. Bauten,
Instandhaltung und Maschinenkosten haben sich binnen Jahresfrist weiter
verteuert. Damit zeichnet sich bei fallenden Agrarpreisen keine Entlastung
für Landwirte ab.
Mitte März haben die Ölpreise ihren Aufwärtstrend noch einmal verstärkt
und gegenüber dem Monatsanfang um mehr als drei US-Dollar zugelegt. Ein
Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseemarke „Brent“ kostet für den
Front-Monat Mai 85,30 US-Dollar. Damit haben die Preise seit November 2023
ein neues Hoch erklommen. Als Begründung sieht die Internationale
Energieagentur die weitere Förderkürzung der OPEC+-Länder bis Jahresende
2024. Das soll im weiteren Jahresverlauf zu einer Unterversorgung führen.
Gleichwohl weisen die USA und die EU eine schwache Konjunktur auf, die
dämpfend auf die Nachfrage wirkt, so die Energieagentur.
Erste Ernteschätzung des DRV
Der Deutsche Raiffeisenverband hat Mitte März seine erste Ernteschätzung
veröffentlicht. Mit 5,9 Millionen Hektar Getreide weist er erstmals eine
Anbaufläche von weniger als sechs Millionen Hektar aus. Grund sind
Verluste von Ackerflächen durch Baumaßnahmen und
Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Der DRV rechnet damit, dass sich die
Flächenkonkurrenz in den kommenden Jahren weiter zuspitzt und die
Anbaufläche noch deutlich stärker zurückgeht. Nach einer Studie des
Thünen-Instituts können bis zum Jahr 2030 insgesamt bis zu 600.000 Hektar
landwirtschaftliche Nutzfläche durch Bebauung oder die Umsetzung von
Klimaschutzmaßnahmen (z.B. Moorbodenwiedervernässung) verloren gehen.
Frostschäden habe es so gut wie keine gegeben, aber Landwirte konnten
durch den nassen Herbst nicht alle Flächen mit Getreide drillen.
Überstauungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben
Getreidebestände geschwächt. Schwere Böden können zum Teil weiterhin nicht
befahren werden. Bei durchschnittlichen Erträgen geht der DRV von einer
Getreideernte in Höhe von 41 Millionen Tonnen aus. Das sind 3,5 Prozent
weniger als im Vorjahr. Bei Raps werden die Landwirte 3,9 Millionen Tonnen
ernten und damit ebenfalls unter dem Vorjahresergebnis bleiben.
Getreide
Für alterntigen Weizen sind die Preise an der Pariser Matif um weitere
zwei Euro gefallen. Zudem belastet ein geringes Exportvolumen die
französischen Lager, was nach der Agentur AgriMer zum Ende des Monats Juni
den Lagerbestand auf die neue Rekordmarke von 3,74 Millionen Tonnen
erhöhen wird. Die AgriMer bescheinigt dem Winterweizen zu 68 Prozent einen
„guten bis exzellenten Zustand“. Für das Drillen von Sommergetreide ist es
aber noch immer zu nass. Lediglich 28 Prozent der Aussaat konnten in der
ersten Märzdekade in den Boden gebracht werden. Im Jahr 2023 waren es zur
gleichen Zeit 98 Prozent, der Fünf-Jahres-Durchschnitt liegt bei 71
Prozent.
Beim europäischen Mais sieht die Preisprognose nicht viel besser aus. Der
innereuropäische Handel leidet derzeit unter den hohen Maismengen, die vor
allem aus der Ukraine kommen.
China hat im März Weizenbestellungen aus den USA storniert, laut
US-Angaben insgesamt 500.000 Tonnen. Eine Menge, die auf dem Binnenmarkt
belastend wirkt und neue Absatzmärkte sucht.
Der Internationale Getreiderat hat in seinem aktuellen Monatsbericht
erstmals eine vollständige Prognose für das Wirtschaftsjahr 2024/25
vorgelegt. Danach wird eine Rekordernte von 2,3 Milliarden Tonnen den
Lagerbestand weltweit um ein Prozent erhöhen. Getragen werde das Ernteplus
durch einen höheren Futtergetreideanbau.
Raps und Ölsaaten
In seiner Monatsprognose hat der Internationale Getreiderat die weltweite
Sojaernte 2023/24 mit 390 Millionen Tonnen angegeben. Die Steigerung um
vier Prozent gegenüber dem Vorjahr resultiert aus den hohen Sojamengen in
Argentinien. Der globale Sojahandel wird auf der Basis aktueller
Verschiffungen um zwei Millionen Tonnen zurückgehen. Für das
Wirtschaftsjahr 2024/25 sollen Erzeugung und Konsum abermals steigen.
Grund seien höhere Hektarerträge und eine Vergrößerung der Anbaufläche.
Aktuell zeigen die Sojakurse wegen einer erwarteten niedrigeren Ernte in
Brasilien leicht nach oben. Die Preise von knapp 400 Euro pro Tonne liegen
aber nahe am Drei-Jahres-Tief.
Die hohen EU-Rapseinfuhren aus dem vergangenen Jahr lassen sich nicht
halten. Nach Berichten der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI)
fallen sie mit 3,54 Millionen Tonnen im bisherigen Geschäftsjahr auf das
Niveau des Jahresvergleichs 2021/2022 zurück. Das hat den Rapskursen Mitte
März innerhalb von zwei Handelstagen ein Plus von 21 Euro pro Tonne
beschert. Der physische Handel reagiert auf die Preise abwartend.
Kartoffeln
Die Marktbeteiligten gehen weiterhin von einer Unterversorgung bei
Kartoffeln jedweder Nutzungsrichtung aus und begründen damit die anhaltend
hohen Preise. Im vergangenen Jahr haben die Käufer im Frühjahr die
Reißleine gezogen und die Preiserhöhungen nicht mehr mitgemacht. In diesem
Jahr aber scheint das Preismaximum noch nicht erreicht zu sein. Zudem ist
fraglich, ob die aus dem Mittelmeerraum zufließende Ware die
Versorgungslücken schließen kann. Im Lebensmitteleinzelhandel lässt sich
die Situation derzeit gut ablesen. Die Hersteller reagieren auf die
gestiegenen Preise mit einer Flut kleinerer Verpackungen und müssen
dennoch Umsatzbußen hinnehmen.
Die Lager leeren sich. Auf der Exportseite gehen selbst mittlere
Qualitäten für hohe Preise nach Tschechien und Polen.
Zucker
Das Europäische Parlament hat Mitte März die Zollregeln für die Ukraine
bei Zucker geändert und will damit die Einfuhr in die EU bremsen. Erst
einige Tage zuvor hatte die EU-Kommission eine Limitierung der zollfreien
Menge vorgeschlagen. Zollfrei als Zeichen der Solidarität soll nur noch
die Basismenge der Importe von 2021 bis 2023 sein. Jetzt fehlt noch die
Zustimmung des Rates.