Mitte November zeigen sich die Rohstoffmärkte trotz vieler Krisen ruhig
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeine Marktentwicklung
Die Börsenpreise zeigen den Krisen und Kriegen in der Welt die kalte
Schulter. Selbst die aktuelle Eskalation im Nahostkrieg hat Mitte Oktober
zu keiner Preissteigerung geführt. Im Gegenteil: Die Rohölpreise sinken
nahezu kontinuierlich und liegen für die Nordseemarke „Brent“ im
Januar-Future bei knapp 80,90 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Im
Tagesgeschehen geht es je nach Meldung im Politikbereich schon mal
kräftiger nach oben, meist werden die Gewinne aber zum Börsenschluss
wieder kassiert. Preisbildend sind die schlechten Konjunkturdaten, vor
allem aus China. Die aktuelle Analyse von „Goldmann Sachs“ hat die
Jahresprognose 2024 für Rohöl von 98 auf 92 US-Dollar gesenkt.
Getreide
Der Kauf von 650.000 Tonnen Weizen durch Algerien hat die
Weizennotierungen gestützt. Ein Teil davon wurde aus Frankreich bezogen,
obwohl die Weizenpreise im Schwarzmeerraum günstiger sind. Die Gesamtmenge
wirkt nur auf den ersten Blick dramatisch hoch. Auf der Liste der
wichtigsten Importeure für EU-Weizen ist Algerien mittlerweile hinter
Marokko und Nigeria auf den dritten Platz zurückgefallen. 2022 hatte das
Land von Januar bis Anfang November 1,8 Millionen Tonnen Weizen aus der EU
bezogen, dieses Jahr sind es bis Anfang November erst 0,8 Millionen
Tonnen.
Es mehren sich aber die Sorgen um die westeuropäische Aussaatfläche für
die Ernte 2024. Rekordniederschläge halten rund um den Ärmelkanal, in
Westfrankreich und in Süddeutschland die Felder nass, und der Blick auf
die Wetterkarte zeigt keine Entspannung.
Raps und Ölsaaten
Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) unterstrich am
10. November auf dem Ölsaatenforum 2023 in Berlin, dass Ölsaaten und deren
Produkte in der EU zunehmend in den Fokus der Politik geraten und
steigende gesetzliche Anforderungen erfüllen müssen. Flächenanspruch,
Klimawandel, Nachhaltigkeit und soziale Verträglichkeit sind Komponenten
für mögliche Preissteigerungen und einen zurückgehenden Anbau. Im
internationalen Handel müsse die EU auf eine ausgeglichene
Standardisierung achten, um den Anbau in der EU attraktiv zu halten, so
die UFOP. Russland beispielsweise hat seine Anbaufläche für Sonnenblumen
vom Erntejahr 2003/04 zum Erntejahr 2023/24 von 4,9 auf 9,5 Millionen
Hektar erhöht und damit nahezu verdoppelt,
Die aktuellen Sojakurse widerstehen dem Sog durch die sinkenden
Rapsnotierungen. Ein Grund ist, dass es auch in Brasilien
witterungsbedingte Sorgen um die Aussaat gibt: Im Süden ist es zu nass, im
Norden zu heiß und trocken. Zudem hat das US-Landwirtschaftsministerium zu
Beginn der zweiten Novemberdekade den Verkauf von einer Million Tonnen
Sojabohnen an China und weiteren 0,6 Millionen Tonnen an unbekannte
Zielhäfen gemeldet.
Kartoffeln
Während die deutschen Kartoffelbauern 2023 trotz aller negativen
Witterungsbedingungen mit knapp elf Millionen Tonnen auf eine gute Ernte
bauen dürfen, sieht es EU-weit schlechter aus. Nach 2018 und 2022 kommen
in diesem Jahr erneut weniger als 48 Millionen Tonnen Kartoffeln zusammen.
Die wiederkehrenden Niederschläge machen das Roden der Restflächen in
Deutschland nahezu unmöglich. Doch weder der Blick auf die EU noch der auf
den deutschen Markt setzen Signale für Preissteigerungen. Das
Saisongeschäft für Speisekartoffeln bleibt ruhig. Allein in Sachsen-Anhalt
wird von einem knappen Angebot und hoher Nachfrage berichtet. Das reicht
immerhin für sortenabhängige Preise von 30 bis 32 Euro pro Dezitonne.
Der nächste Konsumhöhepunkt ist Weihnachten. Doch auch wenn der Slogan
„Gegessen wird immer“ gilt, die Konsumlaune der deutschen Verbraucherinnen
und Verbraucher fällt seit diesem Sommer kontinuierlich. Der
Handelsverband Deutschland (HDE) geht von einem eingetrübten
Weihnachtsgeschäft aus. Wie sehr das auch den Kartoffelmarkt betrifft,
bleibt abzuwarten.