Landwirte reagieren mit Kaufzurückhaltung auf die zuletzt gefallenen Erzeugerpreise bei Getreide und Raps
ADAMAs Blick in den Markt
Kalipreise:
Kanada, Belarus und Russland sind die drei wichtigsten Ausfuhrländer für
Kali. China und Indien geben mit ihren großen Importmengen die Preise für
die restliche Welt vor. Im Jahr 2022 haben beide für eine Tonne Kali 590
US-Dollar bezahlt und damit doppelt so viel wie in den Jahren zuvor. Die
Tonne Kali kostete entsprechend in den deutschen Häfen zwischen 590 und
600 Euro pro Tonne. Mittlerweile sind die Kalipreise unter Druck geraten,
und Indien hat Anfang April Kaufverträge mit Preisen von 422 US-Dollar pro
Tonne abgeschlossen. Die Preise für Deutschland sind noch nicht
nachgezogen. Analysten aber warnen, dass die Düngerpreise nicht dauerhaft
auf das alte Niveau von vor 2021 zurückfallen werden.
Die Händler bieten Landwirten die Ware zum Sommerpreis 2022 an, finden
aber wenig Interesse. Landwirte reagieren mit Kaufzurückhaltung auf die
zuletzt gefallenen Erzeugerpreise bei Getreide und Raps. Viel preiswerter
werde es aber nicht, meinen Analysten, denn auf dem Weltmarkt ziehen die
Düngerpreise langsam wieder an. Händler raten dazu, einen Teil des
Bedarfes jetzt zu decken.
Getreide:
Erneut steht das Getreideabkommen für den Export von Agrarwaren aus der
Ukraine über das Schwarze Meer vor dem Aus. Derzeit stehen die Chancen
schlecht, dass Russland das Abkommen über den 18. Mai hinaus verlängert.
Für die Getreidepreise, die aktuell durch preiswerte Lieferungen aus der
Schwarzmeerregion unter Druck stehen, wäre das ein neuer Grund für einen
Aufwärtstrend. Nachdem Polen, Ungarn und die Slowakei einen Importstopp
für ukrainische Agrargüter bis Ende Juli verhängt haben, weil die Mengen
den nationalen Markt mit Dumpingpreisen belasten, ist die EU-Kommission
aktiv geworden. Mitte April hat sie den betroffenen Landwirten weitere 100
Millionen Euro Hilfsgelder zur Entschädigung bereitgestellt, und
Handelskommissar Valdis Dombrovskis hat sich mit den Ländern vor Ort ein
erstes Mal ausgetauscht.
Die Waggons aus der Ukraine sollen an der Grenze für die Durchleitung
versiegelt und überwacht werden. Europäische Schutzklauseln sollen die
nationalen Bestimmungen ersetzen. Zu feucht, zu kalt, zu trocken: Der Mais
wird europaweit deutlich später als üblich in die Erde gebracht. In
Spanien wird die Anbaufläche von Körnermais durch die Zuteilung des
Bewässerungskontingents bestimmt. Das Land leidet derzeit großflächig
unter Trockenheit. Dennoch ist die Ernte 2022 nach dem Dürrejahr 2021
höher. Nach Einschätzung der EU wächst Mais in diesem Jahr auf mindestens
330.000 Hektar weniger. Die Ernte soll dennoch bei über acht Millionen
Tonnen liegen.
Der Rückgang der Maisfläche resultiert aus der Wahl trockentoleranterer
Kulturen wie Sonnenblumen oder geldwerterer Sojabohnen. Auch wurde 2022
die Winterungsfläche bei Getreide und Raps ausgedehnt. Insgesamt sind die
Landwirte nicht mehr bereit, wieder Dürreverluste einzufahren. Trotzdem
ist der Matif- 11 Frontkontakt für Mais auf Sinkflug. Für die Lieferung im
Juni 2023 notierte er Mitte April mit knapp unter 400 Euro pro Tonne auf
dem Niveau vom Februar 2022.
Raps und Ölsaaten:
Die Europäische Kommission erwartet in diesem Jahr eine Rapsernte von 19,8
Millionen Tonnen. Das sind 0,2 Millionen Tonnen mehr als 2021. Hauptgrund
ist die Ausdehnung der Anbaufläche auf mehr als sechs Millionen Hektar -
die größte seit vier Jahren. Beim Ertrag ist die Kommission etwas
vorsichtiger und geht angesichts des nur zufriedenstellenden
Vegetationsberichts der Winterrapsbestände von einem geringeren
Hektarertrag als 2021 aus. Die französischen Analysten von "Stratégie
Grains" rechnen noch mit Niederschlagsdefiziten in Südfrankreich, Spanien
und Italien.
Mit steigenden Importmengen aus der Ukraine und Australien erwartet die
Kommission Endbestände im laufenden Wirtschaftsjahr von 500.000 Tonnen im
Lager, Ende des Wirtschaftsjahres 2023/2024 sollen es bereits 830.000
Tonnen sein. Für die langfristigen Rapspreise sind das keine guten
Aussichten. In der ersten Aprilhälfte hat der vordere Maikontrakt für Raps
in einer Woche fast 22 Euro pro Tonne verloren und notierte bei knapp 440
Euro pro Tonne. Nach Schätzung des US-Landwirtschaftsministeriums wird
sich der Welthandel mit Raps im laufenden Wirtschaftsjahr mit 20 Millionen
Tonnen kaum ändern. Der Weltmarkt sendet also keine neuen Impulse aus.
Ansteigen wird allerdings die Verarbeitung. Das liege vor allem an
Bangladesch, wo die Ernteprognose von 0,23 Millionen Tonnen im Februar
2023 auf 1,05 Millionen Tonnen im März 2023 angehoben wurde. Das führe zu
einer Verdopplung der Rapsverarbeitung von 1,4 Millionen Tonnen, so das
US-Ministerium.
Keinen Grund für einen bullischen Sojamarkt liefert die Ankündigung
Chinas, sich von Importsoja unabhängig zu machen. Die Regierung hat Mitte
April mitgeteilt, den Anteil von Sojamehl von aktuell 14,5 Prozent in der
Futterration auf 13 Prozent bis zum Jahr 2025 zu senken. Das Importvolumen
wird sich dabei aber lediglich um zwei Millionen Tonnen reduzieren. In den
vergangenen fünf Jahren hat China schon den Futteranteil von Sojaschrot
von 17,8 auf 14,5 Prozent reduziert. Aber auch das hatte nur geringe
Auswirkungen. 2022 hat China 95 Millionen Tonnen Soja importiert, die
niederländische Rabobank schätzt, dass der Import bis zum Jahr 2030 auf
lediglich 84 Millionen Tonnen fällt. Chinas Nachfrage bleibt also
erhalten.
Kartoffeln:
Die Preise bei Kartoffeln zeigen einen steigenden Trend. Die
kartoffelverarbeitenden Betriebe haben 2022 eine Menge nachgefragt, die
höher als vor der Pandemie ist. Vereinzelt heißt es, die vorhandene
Rohwarenmenge reiche nicht bis zur neuen Ernte aus. Vor allem lag die
Erntemenge südlich der Linie Antwerpen - Warschau unter dem Niveau der
Vorjahre. Besonders gefragt ist Chipsrohstoff, der so knapp ist, dass
Verarbeiter schon auf Pommes-Kartoffeln zurückgreifen. Die belgischen
Verarbeiter arbeiten auf Hochtouren, während die bislang kühle und nasse
Witterung die Aussaat für die neue Ernte verzögert. 12