Krieg im Nahen Osten: Stehen den Rohstoffpreisen turbulente Wochen bevor?
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Trotz leichter Verluste lag der Kurs für das Nordseeöl der Sorte „Brent“
am Ende der Woche bei knapp über 90 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Die
Auswirkungen der Nacht vom 13. zum 14. April, in der iranische
Militärdrohnen in Richtung Israel abgefeuert wurden, hatten sich auch am
folgenden Montag (15. April) nicht in den Börsennotierungen
niedergeschlagen. Den angestiegenen Ölvorräten in den USA steht die Sorge
um die Politik im Nahen und Mittleren Osten gegenüber.
Getreide
Auf dem internationalen „Chinese Grains & Oils Congress“ Mitte April sagte
die chinesische Analystin Rosa Wang, dass Brasilien mittlerweile zum
wichtigsten Maislieferanten Chinas geworden ist. 2023 wurden erstmals mehr
als zehn Millionen Tonnen geliefert. Ein Volumen, für das bislang die
Ukraine verantwortlich war. China setzt verstärkt auf Brasilien, das seine
Häfen und Infrastruktur ausbaut und günstig produziert. Zusammen mit
Südafrika diversifiziert das Reich der Mitte sein Lieferantenportfolio und
hat in diesem Zuge 2023 auch seinen Maismarkt für Brasilien geöffnet. Bei
Gerste, Weizen und Raps fließt vorrangig Ware aus Russland und Kasachstan
nach China. Für Kasachstan wird in diesem Jahr eine Ernte von 1,5
Millionen Tonnen Gerste erwartet, das wären rund 15 Prozent mehr als im
Vorjahr. Und das, obwohl die Anbaufläche um 2 Prozent auf 2,5 Millionen
Hektar gesunken ist. Zurückzuführen sind die Schätzungen auf eine
erwartete Ertragssteigerung um 18 Prozent auf durchschnittlich rund 6,5
Dezitonnen pro Hektar.
Aus der arabischen Welt wurden aufgrund des Ramadans keine größeren
Getreidekäufe gemeldet. Preissteigerungen resultierten bei Weizen vor
allem aus Verzögerungen beim Ausstellen russischer
Phytosanitärbescheinigungen, was laut der Agrarmarkt
Informations-Gesellschaft mbH (AMI) aber wohl nur an der Verwaltung lag
und kein Signal für Ausfuhrbeschränkungen ist. Dennoch reagierten die
nervösen Börsen kurzfristig. Da sich das Wintergetreide in einer sensiblen
Wachstumsphase befindet, stützen Trockenheit in den USA und in der
Schwarzmeerregion sowie erneute ausgiebige Niederschläge in Frankreich die
Weizenkurse.
Raps und Ölsaaten
Die steigenden Ölpreise festigen die Rapskurse, weil Biodiesel wieder
attraktiver wird. Der August-Kontrakt liegt derzeit bei über 450 Euro pro
Tonne. Exporte werden durch den starken Euro belastet.
Australien ist neben Kanada ein wichtiger Lieferant für Raps nach Europa.
Die Erntemenge wird allerdings im Anbaujahr 2024/25 auf 4,7 bis 5
Millionen Tonnen sinken. Grund ist eine Ausdehnung der dortigen
Anbauflächen für Weizen und Gerste um ein bis drei Prozent. China hat die
Strafzölle auf australisches Getreide gestrichen, und die Landwirte nutzen
die guten Witterungsbedingungen, um mehr in Richtung China zu exportieren.
Ohne die Ausweitung der Ölmühlenaktivitäten bleibt der Anbau von
Sojabohnen in der Ukraine exportorientiert. Der April-Bericht des
US-Landwirtschaftsministeriums sieht beim Export für 2023/24 keine
Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Dabei verschiebt sich die Lieferadresse
vermehrt von der Türkei nach Ägypten, wo die Importmenge von 488.000
Tonnen auf 755.000 Tonnen ansteigen wird. Das ist doppelt so viel wie aus
den USA geliefert wird. Im Wettbewerb bleibt die Ukraine der preiswerteste
Anbieter für Sojabohnen weltweit. Die mit dem russischen Überfall
eingetretenen Logistikprobleme sind offenbar beseitigt.
Der Markt für alle Speiseöle ist wegen eines starken Auftriebs für
malaysisches Palmöl im Aufwind. Der Preisunterschied zwischen Palmöl aus
Malaysia und Sojaöl aus Argentinien ist zwischen März und April 2024 von
42 auf 68 US-Dollar pro Tonne gestiegen.
Kartoffeln
Die Nachfrage nach Kartoffeln ist nach Ostern abgeflaut. Den Kunden sind
importierte Frühkartoffeln zu teuer, weshalb sie die angebotenen
Lagerbestände heimischer Erzeuger vorziehen. Witterungsbedingt nutzen die
Landwirte die Zeit für das Kartoffellegen. Auf schweren Böden wie in
Sachsen-Anhalt haben sie wegen der Regenfälle allerdings keine Chance,
Pflanzkartoffeln in die Erde zu bekommen.