Kälteeinbruch in Europa Mitte Dezember hat offenbar keine Auswinterungsschäden in Getreide nach sich gezogen
ADAMAs Blick in den Markt
Logistik und Wirtschaft
Die weltweit größte Reederei A.P. Moller-Maersk aus Dänemark
prognostiziert für 2023 eine Erholung bei den Logistikproblemen. Seit zwei
Jahren treffen Angebot und Nachfrage nicht mehr aufeinander, die
Frachtraten sind gestiegen, Container und Laderaum für Bulkware im
Agrarbereich sind weiterhin knapp. Mit dem Rückgang der Corona-Pandemie
soll sich der Welthandel aber langfristig erholen. Nach Maersk betrifft
das alle Logistikwege vom Binnenschiff über die Eisenbahn und die
Überseeschiffe bis zum Lkw. Nach Angaben des
US-Landwirtschaftsministeriums sind die Frachtkosten von Quartal zu
Quartal geringer geworden und die asiatische Nachfrage nach Getreide sinke
ebenfalls. Im Geschäftsjahr 2022/2023 werden die USA erneut weniger
Getreide und Soja exportieren. Infolge der sinkenden Nachfrage soll sich
2023 ein Überhang an Containern abzeichnen, der im Wettbewerb für Ladungen
sinkende Frachtraten mit sich bringt. Wie weit die Frachtraten nach unten
gehen, entscheide der Transport über "die letzte Meile". Und die wird noch
immer per Lkw genutzt. In den USA fallen die Transportkosten pro Meile im
Januar 2023 um 25 bis 35 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Mangel
an Fahrern mache sich nach Ende der Pandemie nicht mehr bemerkbar, die
hohe Inflation reduziere den Transportbedarf, und stabile Dieselpreise auf
niedrigerem Niveau senken die Betriebskosten für die Spediteure. Mehr als
30 Ökonomen haben eine Preisschätzung für Rohöl abgegeben und landen für
2023 bei durchschnittlich knapp 90 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) für
die Nordseesorte Brent. Das sind rund zehn US-Dollar unter dem
Durchschnitt von 2022. Als Hintergrund wird eine schwächelnde
Wirtschaftsentwicklung vorhergesagt, die unter anderem auf der unsicheren
Corona-Lage mit rasant ansteigenden Infektionen in China basiert. China
ist der weltweit größte Importeuer von Rohöl. Noch immer wirken die hohe
Inflation und steigende Zinsen auf die Weltwirtschaft und gelten als
Anzeichen einer leichten Rezession. Der Preisdeckel der G7-Länder für
russisches Rohöl falle nicht ins Gewicht, so die Ökonomen. Sollte Russland
seinen Rohölexport einschränken, wären die OPEC-Staaten für einen
Mengenausgleich bereit. Moskau hat aber mit China einen neuen Kunden
gefunden und hat Saudi-Arabien im Dezember 2022 als größten Exporteur für
Rohöl nach China abgelöst. Außerdem hat Russland über seine sibirische
Erdgasleitung in den ersten elf Monaten 2022 fast 14 Milliarden Kubikmeter
Erdgas nach China geliefert; damit hat das Land nach eigenen Angaben zu
den größten Lieferanten aufgeschlossen. Das warme Winterwetter und
ausreichend hohe Gasspeicherstände haben über die Weihnachtsfeiertage die
Preise bei Gas und Strom deutlich einbrechen lassen. Börsenpreise lagen
nur noch halb so hoch wie im Jahresverlauf. Unsicher ist, wie die
niedrigen Preise an die Verbraucher weitergegeben werden.
Vegetationsbericht in den Amerikas
Die Trockenheit in Argentinien soll die kleinste Ernte der vergangenen 40
Jahre mit sich bringen. Selbst weihnachtlicher Gewitterregen hat die Lage
nicht entspannt. Parallel ist es im südlichen Brasilien zu trocken, und in
den USA mehrten sich vor dem Eisblizzard die Sorgen um den Winterweizen.
Für die südliche Hemisphäre ist es das dritte regenarme Jahr in Folge. In
Argentinien fand nach der qualitativ schlechten Ernte 2022 die aktuelle
Aussaat der Sommerfrüchte unter erheblichen Zeitverzögerungen statt. Für
die Trockenheit ist das pazifische Wetterphänomen La Niña verantwortlich,
das wärmeres Tiefenwasser an die Pazifikoberfläche bringt. Im Januar oder
Februar soll sich La Niña abschwächen, damit steigt die Hoffnung auf
Niederschlag. Mais, Sorghum, Sojabohnen und Erdnuss haben Aufholpotenzial
und könnten von späteren Niederschlägen profitieren. In Nordamerika könnte
sich der Winterweizen über Wurzelneubildungen erholen.
Getreide
Arktische Temperaturen von mehr als minus 40 Grad Celsius haben die USA
zum Jahresende heimgesucht. Vor allem dort, wo es an schützender
Schneedecke gefehlt hat, dürfte die Witterung nicht spurlos an den
Winterkulturen vorbeigegangen sein. Zum Jahresende sind die Getreidepreise
an den US-Terminmärkten deutlich angestiegen und haben auch die
europäischen Kurse mitgenommen. An der Pariser MATIF stiegen die
Weizennotierungen innerhalb des Monats Dezember um 17 Euro auf deutlich
über 300 Euro je Tonne. Während der verhältnismäßig kleine Kälteeinbruch
in Europa Mitte Dezember offenbar keine Auswinterungsschäden nach sich
gezogen hat, ist die Lage in den USA aktuell noch nicht erfasst. Nach
trockenen Aussaatbedingungen im Herbst sind die Kulturen nur schwach
aufgelaufen und möglicherweise stark ausgewintert. Selbst winterharte
Kulturen benötigen eine gute Vegetationsentwicklung, weil die Winterhärte
ein biologischer Prozess ist, der Zeit braucht. Bis es belastbare Aussagen
über die Winterschäden in den USA gibt, werden noch mehrere Wochen
vergehen. Russland steht nach eigenen Aussagen vor einer
Rekordgetreideernte von 102,7 Millionen Tonnen und könnte den globalen
Weizenmarkt fluten. Für den Januar 2023 rechnen die Analysten mit 3,6 bis
4,0 Millionen Tonnen Exportgetreide aus Russland. Weizen mit 12,5 Prozent
Protein und sofortiger Lieferung aus Schwarzmeerhäfen (fob - Free on
Board) kostete zu Jahresbeginn zwischen 307 und 311 US-Dollar pro Tonne
und liegt damit deutlich unter dem Lieferpreis ab dem europäischen
Ausfuhrhafen Rouen in Höhe 316 US-Dollar. Außerdem wurde der Rubel im Wert
zum US-Dollar zuletzt günstiger. Im Dezember hat das
US-Landwirtschaftsministerium seine Schätzung zur russischen Getreideernte
nach unten korrigiert.
Raps und Ölsaaten
Indonesien hat sich im Kraftstoffgesetz aus dem Jahr 2020 auf eine
Zielmarke von 40 Prozent Pflanzenöl im Diesel verständigt. Die Einführung
erfolgt stufenweise. Für den Januar 2023 war eine Erhöhung von 30 auf 35
Prozent vorgesehen. Noch vor Jahresende 2022 hat die Regierung diesen
Schritt auf den Februar 2023 verschoben. Für die neue B35-Mischung wird
heimisches Palmöl in etwa 13 Millionen Hektoliter Biodiesel umgewandelt
werden. Das für Diesel benötigte Palmöl steht in Konkurrenz zur
Speiseölerzeugung. Der im Dezember 2022 von der FAO notierte Preisindex
für Lebensmittel ist im neunten Monat hintereinander gesunken und hat das
Niveau von Februar 2021 erreicht. Vor allem die Preise für Speiseöle sind
gesunken. Der Preisrückgang hat alle Pflanzenöle - von Soja über Raps und
Sonnenblume bis zur Ölpalme - erreicht. Vor allem bei Palmöl hat das
Angebot trotz geringerer Erzeugung infolge massiver Niederschläge für den
ebenfalls gesunkenen Importbedarf ausgereicht. Die guten Ernteergebnisse
für Sojabohnen in Südamerika haben den Preis für Sojaöl deutlich nach
unten gezogen. Die brasilianische Versorgungsgesellschaft "Conab" rechnet
mit einer Rekordernte in Höhe von 153,3 Millionen Tonnen Bohnen. Die
Jahresprognosen für Pflanzenöle sind uneinheitlich, weil die Nachfrage aus
China offen ist. Einerseits könnte die Lockerung der Quarantäne wieder zu
einer stärkeren Nachfrage führen, andererseits bleiben viele Menschen
wegen der steigenden Infektionszahlen zu Hause. Das könnte auch zu einem
Abschwung der Wirtschaft führen.
Kartoffeln
Zum Jahresende hatte sich der Absatz von Kartoffeln vor allem gegenüber
dem umsatzschwachen Oktober erholt, bleibt aber hinter dem Vorjahresniveau
zurück. Als Grund gibt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die
gestiegenen Preise an. Für den Handel resultiert daraus ein Umsatzplus von
fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ende 2022 trafen die ersten
Annabella-Frühkartoffeln aus Zypern ein. Auf dem Berliner Großmarkt gab es
erste italienische Frühkartoffeln. Das Angebot war aber für den Abverkauf
der heimischen Speisekartoffeln nicht von Belang. Mit Preisen von 120 bis
130 Euro je 100 Kilogramm war der Preis doppelt so hoch wie der für
heimische Ware. Insgesamt haben sich Angebot und Nachfrage bei Kartoffeln
die Waage gehalten, was sich auch am unaufgeregten Preisverlauf ablesen
lässt.
Zucker
Der Zuckerpreis ist zum Jahresende 2022 im zweiten Monat in Folge
angestiegen und hat den höchsten Wert innerhalb der vergangenen sechs
Monate erreicht. Die Börsen spiegeln die witterungsbedingten Sorgen über
die indische Ernte 2022/2023 wider, denn Indien ist der zweitwichtigste
Zuckerproduzent der Welt. In Thailand und Australien wird Zuckerrohr
aktuell verspätet verarbeitet.