Fazit
Die Hohenheimer Studie lenkt den Blick von der Einzelbetrachtung eines Betriebes auf die regionale
Nutzung von Agri-PV. Das ist für die überregionale Raumnutzungsplanung von höchstem Interesse. In den
sechs Landkreisen könnten bis zu einem Ausbau von Agri-PV auf etwa 1.500 MWP installierter Leistung
Synergieeffekte zwischen Landwirtschaft und Stromerzeugung generiert werden. Dies würde knapp 2.900
Hektar Ackerland bzw. knapp 4 Prozent der Ackerfläche entsprechen. Bei einem weiteren Ausbau würden die
Grenzkosten auf 260 bis 320 EUR pro Hektar Agri-PV steigen. Gemessen am Stromertrag der Anlagen würden
die Änderungen im landwirtschaftlichen Deckungsbeitrag allerdings weniger als 0,1 Cent der
Stromgestehungskosten je kWh ausmachen. Der Gewinn der Stromerzeugung ist ein außerlandwirtschaftliches
Einkommen. Da aber die landwirtschaftliche Nutzung im Rahmen der GAP verpflichtend ist, können die
Auswirkungen für diese „Sektornutzung“ relevant sein. Vor allem werden sich die Fruchtfolgen verschieben
und müssten hinsichtlich der positiven Effekte auf Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenschutz neu bewertet
werden.
Besonders in Kommunen mit hohem Anteil an Sonderkulturen wie Erdbeeren in Verbindung mit Getreideanbau
kann Agri-PV-Anlage zu einer hohen Flächeneffizienz führen. Dies gilt auch dort, wo die Bodengüte
vergleichsweise hoch ist, betont Sponagel. Diese Flächen sollten für Freiflächensolaranlagen nicht
geöffnet werden. Für Kommunen mit einem hohen Anteil an Mais und Hackfrüchten hat die Agri-PV eine
geringere Vorzüglichkeit. Gerade bei Kartoffeln können geringe Ertragsverluste einen hohen
wirtschaftlichen Effekt auslösen. Sponagel räumt aber ein, dass es für den Kartoffelanbau auch
gegenteilige Berechnungsbeispiele gibt.
Die Hohenheimer Studie hatte den Fokus auf den Ackerbau gelegt und Ausweichmöglichkeiten für das Grünland
nicht betrachtet. Dort können senkrecht aufgeständerte Anlagen als Weidezäune installiert werden, sodass
der Beschattungseffekt (nahezu) ausbleibt. Außerdem gibt es für Agri-PV bereits verschiedene Modelle. Es
muss nicht die ganze Fläche überdacht sein. Die Anlagen können auch in größeren Weiten aufgestellt
werden, was mit Blick auf die möglichen Arbeitsbreiten der landwirtschaftlichen Maschinen die
Deckungsbeitragsrechnungen verändert. Die Berechnungen der Universität Hohenheim können politischen
Entscheidungsträgern helfen, Räume für die Agri-PV-Nutzung, besonders hinsichtlich der Energie- und
Nahrungsmittelautarkie sowie ökologischer Parameter im ländlichen Raum, festzulegen [3].
© istock / Alessandro Mari