EU-Kommission und Agrarrat verhandeln über ukrainische Importe und Transitware
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Ende März bestimmen die Skeptiker den Rohölpreis. Der Mai-Kontrakt für
einen Barrel (159 Liter) der Nordseesorte „Brent“ bewegt sich mit 86
US-Dollar eher seitwärts als abwärts. Das American Petroleum Institute
spricht zwar von hohen Rohölbeständen in den USA, die Amerikaner führen
aber ihr Rückkaufprogramm für Notreserven fort. Analysten sehen darin ein
Indiz für anhaltend hohe Preise. Gestützt wird das durch die politische
Situation im Roten Meer und in Nahost. Die aktuellen Berechnungen der
russischen Verluste durch ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien
belaufen sich auf 900.000 Barrel am Tag. Da die nächste Beratung der OPEC+
über Förderhöhen erst im Juni stattfindet, sind derzeit keine bärischen
Trends erkennbar.
Ukrainische und russische Agrarprodukte
Die Europäische Union hat im März Zollsätze und Importquoten beschlossen,
die eine Balance zwischen Unterstützung der Ukraine gegen den russischen
Angriffskrieg und Schutz der heimischen Landwirtschaft vor Marktstörungen
bieten sollen. So wurden zur Entlastung der Märkte Zölle auf russisches
und weißrussisches Getreide in Höhe von 95 Euro pro Tonne festgelegt. Ende
März sagte EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski beim Agrarrat, dass der
Agrarhandel sowohl mit der Ukraine als auch mit Russland auf EU-Seite
jeweils einen deutlichen Handelsüberschuss generiert. Es gebe hier also
durchaus Gewinner.
Vor allem die Landwirte in den EU-Staaten an der ukrainischen Grenze
demonstrieren aber weiter. Polnische Bauern hatten Anfang März 160 Tonnen
Weizen aus verplombten und für den Transit vorgesehenen Waggons
verschüttet. Mit Bulgarien und Rumänien hat die Ukraine schon
Lizenzabkommen für Agrargüter abgeschlossen, damit festgesetzte
Warenmengen auch wirklich bis an die Nordseeküste gelangen.
Bundesagrarminister Cem Özdemir warnte gleichzeitig vor falschen
Einschätzungen über tatsächliche Importe aus der Ukraine. Der polnische
Ministerpräsident Donald Tusk und der ukrainische Premier Denis Schmyhal
haben sich im März auf ein Abkommen über Kontrollen an gemeinsamen
Grenzübergängen geeinigt. Wie das neue Solidaritätsabkommen der EU für
ukrainische Agrargüter ab dem 5. Juni aussehen wird, ist derzeit noch
offen.
Getreide
Der Osterhase hat den europäischen Getreidepreisen einen Aufschwung
beschert. Zum einen hat die EU-Kommission wegen der schlechten
Aussaatbedingungen im Herbst 2023 die Prognose der Brotweizenernte um vier
Prozent auf 120 Millionen Tonnen nach unten korrigiert, zum anderen
notieren die Weizenpreise in Chicago fester. Die Preissteigerung an der
Euronext in Paris kam aber erst nach dem Verkaufsschluss für den
Mai-Future. Ein positives Exportsignal hat Saudi-Arabien gesandt und für
die Lieferung im Juni und Juli 595.000 Tonnen Weizen bestellt.
Die Aussaatfläche für Getreide und Mais ist in den USA zugunsten von
Sojabohnen zurückgegangen. Weizen wurde auf einer Fläche von 840.000
Hektar und damit um 4,2 Prozent zurückgenommen. Auf 200.000 Hektar wurde
Winterweizen gegen Sommerweizen getauscht. Gegenüber 2023 werden rund 4,9
Prozent weniger Mais gedrillt. Das sind immer noch 36,5 Millionen Hektar.
Die Zahlen stammen aus einer Befragung der Landwirte; das
US-Landwirtschaftsministerium ging hingegen in seiner jüngsten Schätzung
noch von einem Plus von 700.000 Hektar Mais aus.
Raps und Ölsaaten
Das Auf und Ab der Rapsnotierungen geht weiter. Der Mai-Future hat in der
letzten Märzwoche noch einmal um 5,75 Euro auf 452 Euro pro Tonne
zugelegt. Im Wesentlichen wird der Kurs durch die starken Niederschläge in
Argentinien gestützt, die bei den Ernteanalysten Sorgen um die Ertragshöhe
verursachten. Ein belebter Rapshandel leert die Lager mit der Ernte aus
dem Jahr 2023. Rund zehn Prozent der neuen Ernte sollen schon kontrahiert
sein, was aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt deutlich unter Vorjahresniveau
liegt.
Kartoffeln
In der Woche vor Ostern gab es nur regionale Impulse für den
Kartoffeleinkauf. Das Angebot heimischer Ware ist übersichtlich und hält
die Preise auf hohem Niveau. Die ägyptische Regierung hat Anfang März dem
offiziellen Wechselkurs freien Lauf gegeben, was zu einem Wertanstieg des
US-Dollars gegenüber dem Ägyptischen Pfund von 61 Prozent an einem
einzigen Tag führte. Die ägyptische Währung hat in den beiden vergangenen
Jahren zwei Drittel ihres Wertes verloren. Da der Export über das Rote
Meer wegen der Huthi-Rebellen schwierig ist, finden zum Saisonstart immer
mehr Frühkartoffeln den Weg nach Europa. Hier treffen sie auf hohe Preise
und ein knappes Angebot und sorgen dafür, dass die europäischen
Kartoffelpreise nicht weiter klettern.