Erste Prognosen für die Mais- und Zuckerrübenernte zufriedenstellend
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld test test Test
Der Preisverfall an den Rohölmärkten geht weiter. Anfang September kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent nur noch 76 US-Dollar. Treiber für die niedrigen Preise ist trotz stockender Verhandlungen die Aussicht auf eine Waffenruhe im Nahen Osten. Derzeit verhindern nur anhaltende Ausfälle der lybischen Rohölförderung für den Weltmarkt weiteren Preisverfall. Für das Oktobertreffen der OPEC+-Länder gibt es Anzeichen auf ein Ende der Förderkürzungen, sodass für die schwache Weltkonjunktur ausreichend Rohöl zur Verfügung stehen wird.
Unter Druck geraten die globalen Agrarmärkte derzeit ausschließlich durch Chinas Handelspolitik. Peking prüft aktuell, ob Milch, Quark und Sahne sowie Blauschimmel- und Frischkäse aus Belgien, Finnland, Irland, Italien, Kroatien, Österreich, Rumänien und Tschechien „fair“ hergestellt werden; die chinesische Milchwirtschaft hat nach Angaben der britischen Presse in Peking eine Beschwerde gegen subventionierte Milchpreise in Europa eingereicht. Daraufhin hat China gegen die Länder und deren Molkereiimporte ein Antidumpingverfahren eingeleitet. Nach Einleitung eines Verfahrens gegen Schweinefleischimporte aus der EU im Juli ist das Vorgehen wohl die zweite Antwort auf die europäischen Strafzölle für E-Autos, die Ende Oktober 2024 wirksam werden.
Gerüchte über chinesische Importrestriktionen für Futtergerste und Futtersorghum aus den USA haben Ende August den Handel in Chicago irritiert, ohne dass die Kurse sich länger nach oben oder unten bewegt haben. Ausgeräumt sind die Gerüchte noch nicht. Die US-Händler freuen sich über den Export von 167.000 Tonnen Mais nach Mexiko und 260.000 Tonnen Soja nach China.
Europa sieht rot Test
Die Ende August von der EU-Gemeinschaftsforschung (JRC) veröffentlichte Vegetationskarte zeigt die landwirtschaftlichen Sorgen in halb Europa. Diagonal von Gibraltar bis Finnland ist Europas Süden ganz in roter Alarmfarbe gehalten. Die Regionen litten bis zur letzten Augustdekade unter Niederschlagsdefiziten, Temperaturüberschüssen und anhaltend hohen Temperaturen von mindestens fünf Tagen über 40 Grad Celsius (warm spell). Damit haben alle Sommerfrüchte und Weiden in Süd- und Südosteuropa mit Hitze und Wasserdefiziten zu kämpfen. Die Satellitendaten für die Vegetation zeigen aber auch durch Trockenheit verursachte ungünstige Wachstumsbedingungen für Rauhfutter in Irland. Die Grundlage für das irische Vollweidesystem hält sich gerade so am langjährigen Durchschnitt.
Getreide
Das alles gibt keinen Anlass für steigende Rohstoffpreise. Die Weizen- und Maiskurse sind Ende August auf ein Fünf-Monats-Tief gerutscht. Am 28. August lag der Weizenkurs seit langer Zeit wieder unter der 200-Euro-Marke. Der gegenüber dem US-Dollar festere Eurokurs erschwert die Weizenexporte zusätzlich. Analysten sagen aber auch, dass die saisonale Nachfrage global derzeit „sehr dünn“ sei.
Vor der Maisernte Test
Experten des Deutschen Maiskomitees haben Ende August Einblick in die Situation der Maisbestände gegeben. Mit regionalen Unterschieden wird es wohl eine zufriedenstellende Maisernte geben. Die von feuchter Witterung begleitete Aussaat in Mecklenburg-Vorpommern wird die Qualität der Ernteerzeugnisse kaum beeinträchtigen. Die Vegetation ist dem langjährigen Durchschnitt zwei Wochen voraus. So auch in Bayern, wo sich einige Feldkulturen nach Hagelschäden wieder erholt haben. Neben Hagelschäden meldet Schleswig-Holstein einen Befall mit der Fritfliege, in NRW hat Staunässe die Ertragsprognose reduziert. Dort hatten die Bauern wie auch ihre Kollegen in Niedersachsen wegen des schlechten Herbstwetters schon auf Winterweizen verzichtet, hatten aber ebenfalls wegen anhaltender Nässe auch mit Mais kein Glück. Im Gegensatz zu den Bauern in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Wer dort auf Mais statt Winterweizen gesetzt hat, konnte seinen Pflanzen gute Wachstumsbedingungen bieten. In Brandenburg gibt es Bestände mit Mehrkolbigkeit und vereinzeltem Befall mit Drahtwurm und Maiszünsler, was aber aktuell nicht zu Ertragsdepressionen führt.
Raps und Ölsaaten
Zwei Beobachtungen markieren das Preisniveau von Raps und Soja: Rückläufige Rohölkurse, der Fortschritt der kanadischen Canola-Ernte und eine unverändert hohe Rapsernte in der Ukraine drücken die Preise Ende August auf fast nur noch 450 Euro pro Tonne. Das sind gut 30 Euro weniger als einen Monat zuvor. Die USA haben zur gleichen Zeit die weltweite Sojaernte um fast sieben Millionen Tonnen auf 426 Millionen hochgesetzt. Nur die Prognose einer US-amerikanischen Hitzewelle im September könnte die Preise durch die damit einhergehenden Ertragseinbußen stützen.
Kartoffeln
Auch bei den Kartoffeln zeigen die Märkte kaum ein freundliches Gesicht. Die seit Juli rutschenden Preise stehen einer guten Versorgungslage hilflos gegenüber. Die Erzeugerpreise liegen bei 22 bis 28 Euro pro Dezitonne. Der Lebensmittelhandel versucht, Knollen mit Sonderaktionen loszuschlagen, hat dabei aber nur mäßigen Erfolg. Für die Landwirte ist es in einigen Regionen zu trocken für die Ernte. Mecklenburg-Vorpommern rechnet erst in der ersten Septemberdekade mit den ersten Rodungen.
Zucker
Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) hat Anfang September ihre erste Ernte- und Erzeugungsschätzung abgegeben. Die ersten Proberodungen zeigen, dass sich auch die durch Nässe verspäteten Rüben mit einer nachfolgenden guten Wasserversorgung in der Vegetation erholen konnten. Es gibt aber einen Infektionsdruck durch Cercospora und die vom Süden einfliegende Schilfglasflügelzikade, die mit SBR und Stolbur bakterielle Infektionen im Gepäck trägt. Mit 81,9 Tonnen Rüben hält sich der Hektar-Ertrag wohl auf Vorjahresniveau. Der Zuckergehalt liegt mit 17,2 Prozent ein Prozentpunkt über dem Vorjahresergebnis, hält aber das Niveau des Fünf-Jahres-Durchschnitts. Die Rübenbauern dürfen sich bei einem Plus von fünf Millionen Tonnen auf eine erhöhte Rübenmenge von 31,6 Millionen Tonnen freuen. Damit würden 4,7 Millionen Tonnen Zucker erzeugt, was 0,5 Millionen Tonnen über dem Vorjahresergebnis und dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre liegt.