Die Preisbildung am Kartoffelmarkt erweist sich im August als extrem schwierig
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Nach leichter Steigerung des Ölpreises seit Juli auf gut 85 US-Dollar für
ein Barrel (159 Liter) der Nordseemarke Brent hält sich der Preis bei
ruhigem Handel an der Börse. Die bis in den Herbst fortgeführte
Förderbremse der erdölfördernden Länder scheint eingepreist. Die Händler
lenken ihre Blicke auf die Weltwirtschaft, ob sich irgendwo Wachstum
zeigt, das den Verbrauch an Erdöl steigern und damit das Angebot
verknappen könnte. China macht derzeit eher Schlagzeilen, die in Richtung
eines begrenzten Wachstums gehen. Die aktuellen Zahlen für 2023 zur
Industrieproduktion in China hätten nach Wirtschaftsprognosen bei einem
Plus von 4,5 Prozent liegen sollen – Peking aber meldete nur ein Plus von
3,7 Prozent. Noch enttäuschender sind die Zahlen beim
Einzelhandelswachstum. Da wurde statt 4,8 Prozent nur ein Wachstum von 2,5
Prozent gemeldet.
Getreide
Die Weizenpreise im August trotzen den politischen Ereignissen am
Schwarzen Meer und orientieren sich an einer größer eingeschätzten Ernte
in der Ukraine (21 Millionen Tonnen, plus drei Millionen gegenüber dem
Vormonat) und an höheren Exportmengen aus Russland (unverändert
rekordverdächtige 48 Millionen Tonnen). Das US-Landwirtschaftsministerium
schätzt die russische Weizenernte auf eine Höhe von 85 Millionen Tonnen,
Russland selbst rechnet mit über 120 Millionen Tonnen Gesamtgetreide (78
Millionen Tonnen Weizen). Sowohl Weizen als auch Mais gaben an den
Rohstoffbörsen Mitte August um jeweils sechs Euro pro Tonne nach. Rumänien
will den Transit für ukrainisches Getreide über seinen Hafen Constanta
vergrößern.
Noch sind die offensichtlichen Qualitätsminderungen der europäischen
Weizenernte nicht eingepreist. Auf dem Halm keimendes Korn wird die Menge
an Brot- und Qualitätsweizen schmälern. Die Prämien für A- und E-Weizen
sind schon ausgelobt worden.
Schon auf der vergangenen Sitzung des Agrarrates im Juli widersprach
EU-Kommissar Janusz Wojciechowski den Wünschen einiger Mitgliedsländer,
die Ökorichtlinien 7 und 8 für 2024 erneut für den Anbau von Brotweizen
und Ölsaaten zu genehmigen. Mitte August hat der polnische Agrarkommissar
auf dem Nachrichtendienst „X“, vormals „Twitter“, sein Veto bestätigt. Am
14. August schrieb er, dass die Ausnahmeregelungen für 2023 entgegen den
Erwartungen nicht zu einer Ausdehnung des Anbaus geführt haben. Bei einem
gegenüber dem Verbrauch voraussichtlichen Überhang von 22 Millionen Tonnen
Getreide in diesem Jahr gebe es keine Argumente für eine Verlängerung der
Ausnahme bei der Einhaltung von Brachflächen und Fruchtfolgen, die zum
Ausgleich der wegfallenden Exporte aus der Ukraine eingeführt wurden.
Raps, Ölsaaten
Die aktuelle Schätzung für die Rapsernte geht von einer konstant hohen
Erzeugung in der Europäischen Union in Höhe von 19,4 Millionen Tonnen aus.
Wegen des gegenüber der Saison 2022/2023 sinkenden Verbrauchs um 1,7
Millionen Tonnen auf 24,5 Millionen Tonnen kann sich der Lagerbestand auf
0,8 Millionen Tonnen erhöhen. Das sind jeweils 0,3 Millionen Tonnen mehr
als in den drei Vorjahren. Der Importbedarf wird sinken.
Das macht sich bei den Rapspreisen bemerkbar. Nach einem Anstieg Anfang
August von etwa 440 Euro pro Tonne in Deutschland auf zwischenzeitlich bis
zu 450 Euro pro Tonne, sind die Preise Mitte August wieder auf das
Ausgangsniveau des Monats gefallen. Zum einen belasten sinkende Sojakurse
den Rapspreis, zum anderen kommt mehr Raps aus der Ukraine in die EU.
Während beispielsweise die Slowakei in den Jahren zuvor keinen Raps aus
der Ukraine importiert hat, wurden 2022/2023 erstmals 122.800 Tonnen
importiert. Ungarn, Rumänien, Tschechien und sogar Belgien haben steigende
Rapsimporte aus der Ukraine gemeldet. Belgien hat im vergangenen Jahr
32.000 Tonnen Raps geerntet, aber 323.000 Tonnen nach Deutschland
geliefert.
Kartoffeln
Offiziell endete am 10. August die Saison der 265 Erzeuger „Pfälzer
Grumbeere“, der bekanntesten Frühkartoffel Deutschlands. Die Erntemenge
von 90.000 Tonnen aus dem Vorjahr wurde nur knapp unterschritten. Trotz
höherer Kosten konnten die Verbraucherpreise mit zwei Euro je Kilogramm
gehalten werden. Der Hauptabsatz findet in Hofläden und auf Wochenmärkten,
aber vereinzelt auch im Lebensmitteleinzelhandel statt. Dort wurde die
„Pfälzer Grumbeere“ bei einer 2-kg-Standardverpackung auch schon mit 2,99
Euro gehandelt. Wie in den Vorjahren lag die Anbaufläche bei rund 4.000
Hektar.
Derweil haben die ersten Proberodungen für die Haupternte der Kartoffeln
bislang nur schwache Ertragswerte in Deutschland, Belgien und den
Niederlanden gebracht. Immerhin. Die Rodebedingungen haben sich durch den
Niederschlag der vergangenen Wochen und kühlere Temperaturen gebessert.
Mit der Reifeförderung sind die Landwirte aber in Verzug geraten. Was aus
der Erde kommt, deckt die Nachfrage, ohne den angespannten Markt zu
entlasten. Die übliche saisonale Absenkung des Kartoffelpreises fällt
derzeit deutlich schwächer als in den Vorjahren aus.
Überhaupt ist die Preisbildung am Kartoffelmarkt derzeit schwierig. In der
zweiten Augusthälfte bildet sich normalerweise der Preis für die
Einlagerungsware der Haupternte. Das hohe Preisniveau von bis zu 60 Euro
für eine Dezitonne Frühkartoffeln hält noch an, die Ernte der Hauptware
verzögert sich und die Mengen und Qualitäten zeigen sich regional sehr
unterschiedlich. Im Südwesten verständigen sich die Handelspartner nach
Angaben der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) auf einen Preis für
die spätere Auslagerung. In möglichen Überschussgebieten versuchen
Landwirte ohne Einlagerung auszukommen und verkaufen ihre Ware ab Feld.
Eine aktuelle Preisfindung wird nicht vor September möglich sein. Dann
wird sich zeigen, ob das hohe Preisniveau anhält und ob gute Qualitäten
für außerordentliche Gewinne sorgen.