Die politischen und nicht-landwirtschaftlichen Wirtschaftsbedingungen haben mehr Einfluss auf die Agrarbörsen als das Wetter
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Der August-Beginn hat gezeigt, was den Rohölmarkt bewegt. Nach der Tötung
verschiedener Führer der Terrormiliz Hamas durch Israel reagierten die
Akteure nervös, der Preis für einen Barrel (159 Liter) der Nordseesorte
Brent sprang wieder über die Marke von 80 US-Dollar, und durch
Gewinnmitnahmen fielen die Kurse zum Wochenende dann wieder zurück. Wie
die Börse die Drohung des Iran aufnimmt, gegenüber Israel „hart
zurückzuschlagen“, war zum Redaktionsschluss am Montag noch nicht
ersichtlich. Bislang haben sich die Merkmale der schwachen Weltkonjunktur
durchgesetzt. Vor allem in China klafft eine große Lücke zwischen
Investitionen, die den Gemeinden weitere Schulden aufbürden, und fehlenden
Anreizen für den privaten Konsum. In den USA sanken die Bauausgaben im
Juli um 0,3 Prozent.
Viele Agrarunternehmen haben lange in Russland ausgehalten. Seit dem 1.
Juli sind auch Cargill, Louis Dreyfus und Viterra nicht mehr in dem Land
aktiv; das russische Tochterunternehmen Viterra wird allerdings als MZK
Export noch im Export von Getreide und Ölsaaten tätig bleiben. Das
internationale Trio war im Wirtschaftsjahr 2022/23 für den Export von 7,2
Millionen Tonnen Getreide verantwortlich. Das waren rund 13 Prozent des
russischen Gesamtexportes. An der Verschiffung über das Schwarze Meer
hielten sie sogar einen Anteil von 20 Prozent. Nach Eduard Zenin vom
Verband der russischen Getreideexporteure könnten die in der Vergangenheit
stark gewachsenen russischen Exporteure die Geschäfte nahtlos
weiterführen. Demgegenüber warnt Dmitri Rylok vom Institut für
Agrarmarktstudien (IKAR) vor Exportengpässen, was mit wachsenden
Lagerbeständen Auswirkungen auf die nationalen (russischen) und
internationalen Getreidepreise haben dürfte. IKAR hat Ende Juli über einen
neuen Tiefstand für Getreidepreise berichtet. Weizen mit 12,5 Prozent
Proteingehalt kostet derzeit an den Schwarzmeerhäfen 220 US-Dollar pro
Tonne (FOB). Die Ernte wird weiterhin auf rund 84 Millionen Tonnen
geschätzt, die meisten Landwirte aber können aufgrund der niedrigen Preise
nicht mehr wirtschaftlich produzieren. Mitte Juli wurden nach IKAR-Angaben
bereits 32 Millionen Tonnen Weizen geerntet. Wegen der niedrigen Preise
haben vor allem Kunden aus Asien bei den Exportangeboten zugeschlagen.
Getreide
Der Preisindex der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO)
weist Anfang August sinkende Getreidepreise aus, weil die Getreideernte in
der nördlichen Hemisphäre mit guten Prognosen für die USA und Kanada
angelaufen ist. Die USA fahren auch eine qualitativ gute Ernte ein. Der
Getreidehandel ist weltweit intensiv und lässt kaum Preissteigerungen zu.
Die schwachen Ernten in Teilen von Deutschland, Frankreich und Benelux
machen sich bei den Kursen nicht bemerkbar.
Raps und Ölsaaten
Die Preise am Speiseölmarkt weisen laut FAO-Angaben nach oben. Die globale
Nachfrage vor allem nach Palmöl ist stark. In den USA wird der Bedarf an
Ölen durch die Biodieselnachfrage befördert. In Indonesien, dem größten
Exporteur von Palmöl, wird in diesem Jahr unterdurchschnittlich geerntet.
Weltweit gibt es keinen einheitlichen Trend bei den Ölfrüchten. Je nach
Kultur und Herkunft dominieren die preissteigenden oder die preissenkenden
Indikatoren. Mehrheitlich überwiegen die bärischen Tendenzen. Zwar ist die
Rapsversorgung weltweit unsicher und die Ernteprognosen gehen von geringen
Mengen aus; dennoch fällt der Rapspreis. Ursache ist die enge Verknüpfung
mit dem Sojakurs. Vor allem im Mittleren Westen der USA sorgen die
ausreichenden Niederschläge für gute Ernteaussichten. War etwa in Iowa zu
Beginn der Saison noch von einer Dürre die Rede, hat sich der Zustand der
Pflanzen jetzt deutlich verbessert. Das US-Landwirtschaftsministerium
beurteilt die Qualität in seinem Juli-Bericht zu 68 Prozent als „gut“ oder
„ausgezeichnet“. Mit den wieder sinkenden Preisen für Sojabohnen fallen
auch die Preise für Sojamehl und Sojaöl. Zusammengenommen wirken die
Berichte und Preistrends gegen den Anstieg der Rapspreise. In Kanada sind
die Canola-Preise Ende Juli weiter gefallen und die Europäische Union
korrigiert die Rapsernte erneut leicht auf 18,4 Millionen Tonnen nach
unten. Die europäischen Ölmühlen werden sich auf Rapsimporte konzentrieren
müssen.
Kartoffeln
Die Urlaubszeit hat die Nachfrage nach Speisekartoffeln stark beruhigt.
Regional roden die Landwirte ihre Frühkartoffeln nach Bedarf und können
sich damit sogar den Witterungsbedingungen anpassen. Starkregenereignisse
haben zu mehr grünen Knollen geführt, es gibt aber auch Knollen mit
Wachstumsrissen. Die Pfälzer Frühkartoffeln sind zum Teil noch losschalig,
aber immer noch festschaliger als Ware aus anderen Regionen. Spitzenpreise
sind derzeit nicht mehr zu erwarten, und das Preisniveau hat sich auf
unter 50 Euro pro Dezitonne eingependelt.
Zucker
Den stärksten Preisverfall im FAO-Lebensmittelpreisindex hat Zucker zu
verzeichnen. Lag der Preisindex im September 2023 hier noch bei rund 160
Punkten, waren es im Juli 2024 nur noch 120,2 Punkte. Das schwache Plus in
den beiden Monaten zuvor resultierte aus einer abgesenkten Ernteprognose
für Rohrzucker in Brasilien. In Indien und Thailand verbessern sich die
Ernteaussichten mit ausreichenden Niederschlägen im Monsun. Das könnte
reichen, um bei der drohenden Dürre in Brasilien den Preisauftrieb für
Zucker weiterhin einzubremsen. Preistreibend dürfte die global wachsende
Nachfrage nach Bioethanol sein.