Die Ernteschäden der Überschwemmungen in Süddeutschland haben sich in den Preisen noch nicht niedergeschlagen
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Die Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) sitzt in der
Klemme. Die Konjunktur in den wichtigsten Industrieländern will nicht
anspringen. Länder außerhalb des Rohölkartells versorgen den Markt mit
steigenden Mengen. Die seit Monaten anhaltenden Fördermengen-Kürzungen der
OPEC-Länder zur Stabilisierung des Rohölpreises laufen damit ins Leere. Ab
Ende September wollen die OPEC-Staaten die Förderkürzungen schrittweise
zurücknehmen, so der Beschluss ihres jüngsten Treffens Anfang Juni. Das
wäre drei Monate früher als der von den Analysten prognostizierte
Zeitpunkt zum Jahresende. Saudi-Arabien als größtes Förderland bräuchte
für die Staatskasse höhere Preise, kann sich aber offenbar selbst im Kreis
der OPEC-Länder nicht durchsetzen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter)
der Nordseesorte Brent liegt aktuell bei weniger als 80 US-Dollar. Die
Verbraucher lesen den Stand an der Tankstelle ab.
Getreide
Der Getreidehandel in Europa hat sich in den Tagen der Überschwemmungen in
Süddeutschland zurückgehalten. Der Fokus liegt auf dem Export, wo die
Ukraine und Russland weiterhin den Markt dominieren. Ägypten und Algerien
haben neue Lose ausgeschrieben, werden sich aber mit Schwarzmeergetreide
eindecken. Immerhin konnte Frankreich rund 100.000 Tonnen für Algerien
festmachen. Bisher hat Europa 28,1 Millionen Tonnen Weichweizen
exportiert, das sind rund 3,5 Millionen Tonnen weniger als im
Wirtschaftsjahr 2022/23. In den knapp vier Wochen vor Ablauf des aktuellen
Wirtschaftsjahres wird das Defizit nicht aufgeholt werden. Zudem würde
Exportgetreide derzeit auch nur zögerlich die europäischen Überseehäfen
erreichen, weil beispielsweise der Rhein aufgrund des Hochwassers für den
Schiffsverkehr gesperrt ist.
Für den kommenden Mischfutter-Getreidepreis dürfte auch die
Futterverfügbarkeit der heimischen Wiesen eine Rolle spielen.
Australien meldet sowohl bei Weizen als auch bei Gerste eine deutliches
Ernteplus; gerechnet wird mit einem Anstieg von neun bzw. sieben Prozent
auf 29 Millionen Tonnen Weizen und 11 Millionen Tonnen Gerste. Grund ist
die Ausdehnung der Winteranbaufläche auf mehr als 23 Millionen Hektar.
Auch China sorgt für Meldungen. Ende 2023 hat das Reich der Mitte
Getreidespeicher für 700 Millionen Tonnen fertiggestellt und kann damit
eine ganze Jahresernte von heimischen Feldern einlagern. Die
verlustreichen offenen Feldlager sollen ganz verschwunden sein. Für China
öffnet sich dadurch auch eine neue Importstrategie mit langfristigen
Einkäufen.
Raps und Ölsaaten
Der Internationale Getreiderat hat die Ernteprognose für europäischen Raps
Anfang Juni um 1,2 Millionen Tonnen auf 88 Millionen Tonnen gekürzt. Für
die Rapspreise ist das kein Grund zu steigen. Auch die sinkenden
Rohölnotierungen wirken sich auf die Rapsnotierungen aus. Günstige
Vegetationsbedingungen in Kanada üben ebenfalls Druck auf die Notierungen
aus. Offenbar können sie auch den aus Australien gemeldeten
fünfprozentigen Rückgang der Rapsernte auf 5,4 Millionen Tonnen
kompensieren.
Schwache Maiskurse und eine rasche Sojaaussaat in den USA haben die
zuletzt steigenden Sojanotierungen gestoppt.
Kartoffeln
Anhaltender Regen hat in den vergangenen Monaten das Kartoffelpflanzen in
Deutschland und den Benelux-Ländern verzögert, was eine späte Haupternte
erwarten lässt. Das hat zu anhaltend hohen Preisen am Kartoffelmarkt
geführt. Mittlerweile sind auch die ersten deutschen Frühkartoffeln im
Lebensmitteleinzelhandel angekommen. Die Landwirte können mit hohen
Einstiegspreisen rechnen, da nicht genug Importware vorhanden ist. Der
Juni-Kontrakt schloss Ende Mai mit knapp unter 50 Euro pro Dezitonne ab.
Ohne die Berücksichtigung der süddeutschen Kartoffelflächen schätzt die
Europäische Kommission die Kartoffelernte in Deutschland auf
durchschnittlich 36,8 Tonnen, was den Fünf-Jahres-Durchschnitt um vier
Prozent übertreffen würde.