Deutschlands Winterkulturen erwachen genau jetzt aus ihrem verlängerten Winterschlaf
ADAMAs Blick in den Markt
Inflation
Im Kampf gegen die Inflation haben die Zentralbanken das Rennen um
Zinssteigerungen aufgenommen. Nach der Schweiz im September 2022 zog die
Eurozone früh nach, und bis Anfang März haben die Notenbanken der USA,
Neuseelands und Kanadas die Vier-Prozentmarke für Anleihen überschritten.
Allein, das hat der Inflation bislang keine sichtbare Entlastung gebracht.
Analysten blicken nach China. Dort sind die Erzeugerpreise ab Werkstor im
Februar 2023 gefallen und seitdem auch nicht wieder angestiegen. Zwischen
März 2022 und 2023 blieben sie dennoch inflationär. Exportiert das Reich
der Mitte also jetzt seine Inflation in den Westen? Makroökonomen glauben
nicht daran. In China selbst halten Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche
Anreize die Nachfrage und damit die Geldentwertung in Grenzen. Zudem
schätzen Ökonomen wegen der weltweiten Wirtschaftsschwäche einen neuen
Schub für die Inflation als gering ein. Mehr als sechs Prozent Zinsen
nehme die US-Notenbank Ende März nicht ins Visier. Die Schwäche des Yen
grenze den Trend für eine "chinesische Inflation" ebenfalls ein. Für die
europäische chemisch-pharmazeutische Industrie, die auf Wirkstoffe
chinesischer Produktion angewiesen ist, sind das entspannte Aussichten.
Seit dem Wochenende ist aber alles wieder Makulatur. Nach der Pleite der
Silicon Valley Bank, die der US-Aufsichtsbehörde unterstellt wurde, wurde
zum 13. März auch die New Yorker Signature Bank geschlossen. Goldman Sachs
rechnet nicht mehr mit einer Zinserhöhung auf der nächsten
US-Notenbanksitzung. Dem Rohölpreis haben die Meldungen gutgetan. Nach
einer anfänglichen Märzschwäche sind die Kurse wieder auf 83 US-Dollar je
Barrel (159 Liter) der Nordseesorte "Brent" angestiegen. Für Kurs- und
Liefersorgen sorgt Frankreich mit seinen großflächigen Streiks, der manche
Lieferkette zum Opfer fällt, auf die ganz Westeuropa angewiesen ist. Das
betrifft beispielsweise Getreidelieferungen mit der Bahn.
Getreide
Deutschlands Winterkulturen erwachen genau jetzt aus ihrem verlängerten
Winterschlaf, den Petrus zuletzt mit einer schützenden Schneedecke
bedachte. Die seit dem 13. März steigenden Temperaturen reißen die
Kulturen förmlich aus dem Schlaf. International sieht die Versorgung gut
aus. Die Reisproduktion in Indien läuft auf ein Rekordergebnis von 132
Millionen Tonnen zu. Die Anbaufläche ist gegenüber 2021 um drei Prozent
auf 45 Millionen Hektar ausgedehnt worden. Mit 40 Millionen Tonnen Mais
ernten die argentinischen Farmer in diesem Jahr allerdings 15 Prozent
weniger. Die indischen Berufskollegen hingegen fahren auch in diesem Jahr
eine Rekordmenge ein. Die Prognose von 34 Millionen Tonnen ist gegenüber
dem Vorjahr ein Plus von acht Prozent. Indien hat zwei Pflanzzeiten. Die
Kharif-Feldfrüchte entsprechen den europäischen Winterkulturen und werden
im November gedrillt. Die Rabi-Kulturen für den Sommer kommen im Februar
in den Boden. Die indischen Farmer bauen Mais in beiden Jahreszeiten an
und liegen mit der Aussaat des Rabi-Maises 18 Prozent vor dem
Fünf-Jahres-Durchschnitt. Dem gedrillten Mais steht eine gute Vegetation
bevor. In Brasilien ist Mais als Hauptfrucht zu 17 Prozent bereits
abgeerntet. Das sind fünf Prozent weniger als im Jahr 2021. Der Mais aus
dieser ersten Saison stellt rund 20 Prozent der gesamten Maisernte.
Einsetzender Niederschlag begünstigt die noch auf den Feldern stehenden
spät abreifenden Maissorten. Mais für die zweite Saison wird gerade
gedrillt und liegt hinter der Zeit. In einigen Bundesstaaten fiel zu viel
Niederschlag, als dass die Flächen hätten befahren werden können. An der
Gesamtprognose von rekordverdächtigen 125 Millionen Tonnen gibt es derzeit
keine Abstriche. Rekord gilt auch für die Weizenernte im Anbaujahr
2022/2023: Monatlich klettern die Prognosen und landen derzeit bei 10,4
Millionen Tonnen Weizen. Das sind 35 Prozent mehr als im Anbaujahr
2021/2022. Auch der kasachische Weizen hat günstige Witterungsbedingungen
ausgenutzt. Das Land, das für die Versorgung Zentralasiens und auch der
Welt wichtig ist, erwartet 16,4 Millionen Tonnen Weizen. Das sind 39
Prozent mehr als im Vorjahr. Da US-Weizen derzeit als überteuert gilt,
halten sich Käufer zurück. Im Ergebnis geben die Weizenkurse an der
Pariser MATIF erneut leicht nach. Beim Mais hat der Wechsel des
Fronttermins von März 2023 auf den Juni 2023 auch lediglich für einen
Zuwachs von 0,38 Prozent gesorgt.
Raps und Ölsaaten
Der Rapspreis wird von den Angeboten aus Australien bestimmt. Heimische
Verkäufe und Käufe gibt es kaum noch. Wer noch Ware im Lager hat, wird
wegen der sinkenden Notierungen nervös - kann aber wegen guter Versorgung
bei den Ölmühlen keine Käufer finden. In Paris fiel der Rapskurs erstmals
seit Juni 2021 unter die 520-Euro-Marke je Tonne. Analysten verlieren
ihren Optimismus für höhere Preise zur Ernte 2023. Die Vorkontrakte liegen
zwischen 480 und 515 Euro je Tonne. Die Mischfutterindustrie freut sich.
Rapsschrot ist Mitte März zur prompten Lieferung für 373 Euro je Tonne zu
haben. Das sind sieben Euro weniger als zu Beginn des Monats März. Schub
könnten die festeren Sojanotierungen an den Börsen in Paris und Chicago
geben. Sojaschrot liegt dort bei aktuell 600 bis 625 Euro je Tonne.
GVO-freies Soja klettert mit, erzielt aber derzeit nur einen Aufschlag von
30 Euro je Tonne. Wer noch ausreichend Ware hat, wartet die ersten
Lieferungen aus Brasilien im Mai ab. Dann sind die Preisvergleiche
zuverlässiger.
Kartoffeln
Seit Monaten verläuft der Kartoffelabsatz in ruhigen Bahnen. Abgepackte
Speiseware bedient im Lebensmitteleinzelhandel jede Nachfrage.
Lagerzuschläge lassen sich nicht durchsetzen. Der Discount hat die ersten
Frühkartoffeln aus Ägypten gelistet. Der Lebensmitteleinzelhandel wird ab
der 12. Kalenderwoche nachziehen.