Deutscher Bauernverband schätzt Ernteverlust bei Raps von 4 Prozent trotz Ausdehnung der Anbaufläche
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeine Marktentwicklung
Der für die Landwirtschaft wichtige Blick auf den Rohölmarkt und das
Schwarzmeer-Abkommen für den Export von Agrarrohstoffen aus ukrainischen
Märkten spiegelt sich mit dem Stichtag 10. Juli überhaupt nicht an den
Agrarbörsen wider. Die Rohölpreise sind zwar in den vergangenen Wochen
gestiegen, bewegen sich derzeit aber bei 78 US-Dollar pro Barrel (159
Liter) eher „seitwärts“. Der Preis bezieht sich schon auf den
Septembertermin für die Nordsee-Sorte „Brent“. Der ruhige Handel ist frei
von der Nervosität des Weltgeschehens.
Seit einer Woche steht die Verlängerung des Schwarzmeerabkommens über den
17. Juli hinaus auf der Kippe. Moskau hat mehrfach angekündigt, das
Abkommen nicht zu verlängern. Aus der Türkei, die getrennt mit der Ukraine
und Russland über das Abkommen verhandelt und für die Kontrolle der ein-
und ausfahrenden Schiffe zuständig ist, melden Marktanalysten, dass das
Abkommen schon schwierigere Zeiten überstanden habe. Seitens der Vereinten
Nationen sind die Handelsbeauftragten Martin Griffiths und Rebeca Grynspan
zur Überwachung der Verhandlungen in der Türkei. Ob Grynspan noch vor
Ablauf des Abkommens für ein direktes Engagement nach Moskau reist, stand
am 10. Juli noch nicht fest.
Getreide
Die Getreidepreise reagieren aktuell viel deutlicher auf den Beginn der
Ernte als die Rohölpreise. Der Deutsche Bauernverband hat seine
Ernteprognose für 2023 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 40,919
Millionen Tonnen Getreide nach unten korrigiert. Die Menge liegt auch
leicht unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Die Niederschläge der
vergangenen Wochen kommen für das Getreide zu spät. Auch Sachsen-Anhalt
meldet trockenheitsbedingte Ernteverluste. Die ersten Druschergebnisse für
Wintergerste liegen zwischen 50 und 70 Dezitonnen pro Hektar. Aus Hessen
liegen zwar noch keine konkreten Zahlen vor, aber Landesbauernpräsident
Karsten Schmal sagte auf seiner Erntepressekonferenz Mitte Juli, dass die
Landwirte regional sehr unterschiedlich mit der Ernte begonnen haben. In
Mittel- und Nordhessen sitzen die Landwirte eine Woche früher auf dem
Mähdrescher als üblich, in Südhessen fahren sie zwei Wochen später ins
Korn. Niederschlag und Hitzegewitter werden aus den Erntearbeiten wieder
ein Wettrennen mit der Zeit machen und den Drusch immer wieder
unterbrechen. Die Bestände sind wie auch in Frankreich
niederschlagsbedingt sehr ungleich abgereift.
In den USA weist der Mittlere Westen eine mit dem Jahr 2012 vergleichbare
Dürre auf. Seit drei Monaten regnet es unterdurchschnittlich. Allerdings
war es nicht so heiß wie vor elf Jahren, sodass die Bestände sich bei
Trockenheit ohne große Hitze noch entwickeln können. Hoffnung gibt das
abklingende Wetterphänomen La Niña, dass bislang die feuchte Luft aus dem
Golf von Mexiko auf ihrem Weg nach Norden blockiert hat. Der Beginn des El
Niño hingegen werde vor allem für Mais und Sojabohnen ausreichend
Feuchtigkeit in die Hauptanbaugebiete bringen, sagen Analysten. Die
Getreidebörse in Chicago saugte solche Meldungen erst mit einer
Aufwärtsbewegung und dann mit einer Schwächung bis Mitte Juli auf.
Raps und Ölsaaten
Die Ernteprognose für Winterraps ist beim Deutschen Bauernverband
eindeutig: Obwohl sich die Aussaatfläche gegenüber dem Erntejahr 2022 um
sieben Prozent ausgedehnt hat, ergibt sich aus einem Ertragsrückgang von
39,6 auf 35,4 Dezitonnen pro Hektar ein Gesamternteverlust von vier
Prozent. Mit 4,1 Millionen Tonnen Raps liegt der Ertrag aber über dem
Fünf-Jahres-Durchschnitt. Die Prognose sorgt für festere Preise. Die Union
zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) hat zu Beginn des
Julis sogar schon für eine weitere Ausdehnung der neuen Winterrapsfläche
für die Ernte 2024 geworben. Neben den aktuell positiven Preissignalen
würde auch eine steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen für den Rapsanbau
sprechen, so die UFOP. Unterstützt wird die Prognose durch einen Ertrag in
Australien, der unter den beiden Vorjahren liegt, die schwierigen
Wetterbedingungen in den USA und die unklaren Aussaatbedingungen in der
Ukraine. Zwar ruft die UFOP die Landwirte auf, Winterraps in die
Fruchtfolge einzubauen – doch wenn das alle tun, wächst auf den Feldern
der nächste Preisdruck heran.
Ölmühlen fragen seit Anfang Juli vermehrt Lieferungen für Herbst und
Winter an. Raps aus der Ernte 2023 wird am Niederrhein schon für über 450
Euro pro Tonne bedient.
Kartoffeln
Die Kartoffeln freuen sich über den Niederschlag und können
Entwicklungsdefizite seit der Pflanzzeit ausgleichen. Der Handel verläuft
mit leicht festeren Preisen ruhig. Aus Deutschland gehen die ersten
Frühkartoffeln vom Feld in den Lebensmittelhandel. Die ersten kommen aus
der Pfalz, wo etwa 40 Prozent der Frühkartoffeln bereits gerodet wurden.
Die Versorgung aus dem Mittelmeerraum ist wegen der Witterungsbedingungen
knapp. Vereinzelt befürchten Analysten eine Versorgungslücke zwischen
Frühkartoffeln und Kartoffeln aus der Haupternte. Grundsätzlich führen auf
Seiten der Verbraucher das heiße Wetter und der Ferienbeginn aktuell zu
einem Rückgang der Nachfrage. Konsumenten werden auf der Suche nach
Frühkartoffeln in Hofläden fündig, vor allem in Schleswig-Holstein.