Der Wintereinbruch im April hat die Preise im Griff
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Ende April hat sich die Lage am Rohölmarkt endgültig beruhigt. Der Preis
für die europäische Nordsee-Ölsorte „Brent“ liegt bei 88,70 US-Dollar pro
Barrel (159 Liter). Die Entwicklung ist vor allem auf die politische Lage
im Nahen Osten zurückzuführen, wo es zu keiner weiteren Eskalation
gekommen ist. Auch soll es zu Beginn des neuen Monats wieder Anstrengungen
für einen Waffenstillstand in Gaza geben. Analysten sehen derzeit keinen
Trend für eine Preisentwicklung in Richtung von 100 US-Dollar pro Barrel.
Getreide
Die Preise für Weizen und Mais bleiben in Europa volatil. Der
Frosteinbruch in der zweiten Aprilhälfte hat dazu geführt, dass der
September-Future an drei aufeinanderfolgenden Tagen gestiegen ist – auf
über 225 Euro pro Tonne. Der Fronttermin im Mai liegt bei 208 Euro. Zudem
haben verschiedene Fonds sich bei ihren Deckungseinkäufen für
Agrarrohstoffe entschieden und so die Nachfrage belebt. Auch wurden Ende
April die Ernteprognosen für Weizen und Mais in der Ukraine um sechs
beziehungsweise vier Prozent nach unten korrigiert.
Raps und Ölsaaten
Schnee und Frost trafen den Raps zu Beginn seiner Blüte. Regional hat der
Raps seine leuchtend gelbe Farbe verloren und blüht weiß weiter. In
Regionen mit Schneedecke waren die Schneehöhen von bis zu 30 cm so
mächtig, dass auf ganzen Flächen Rapsstengel umknickten. Die werden zwar
wieder austreiben und kommen auch zur Blüte, die Pflanzen werden aber
ungleichmäßig heranreifen, was die Ernte erschwert. Da in den Wochen zuvor
sehr viel Niederschlag gefallen ist, hatten die Rapspflanzen nur flache
Wurzeln ausgebildet, was ihnen bei kommenden Trockenperioden kaum mehr
ermöglicht, tiefer gelegene Wasservorräte zu erreichen. Auch wenn die
Schäden noch nicht beziffert sind, hat die Euronext in Paris mit
steigenden Erzeugerpreisen auf die Witterungsbedingungen reagiert. Für die
Ernte 2023 wurden die Preise leicht auf 416 Euro pro Tonne angehoben. Für
die neue Ernte liegt die Preisspanne je nach Bundesland zwischen 375 und
430 Euro pro Tonne.
Unter dem Wintereinbruch definitiv gelitten haben die früh gedrillten
Sonnenblumenbestände. Hülsenfrüchte werden nach Angaben der EU-Kommission
ihre Anbaufläche auf die Rekordmarke von 2,8 Millionen Hektar ausdehnen
und mit 7,3 Millionen Tonnen die größte europäische Erntemenge einfahren.
Dabei hält die Sojabohne mit rund 3,1 Millionen Tonnen den höchsten
Ernteanteil und zeigt gegenüber dem Vorjahr das größte Wachstum.
Kartoffeln
Der Wechsel von Sonne, Regen, Hagel, Kälte und Schnee hat das Legen der
neuen Kartoffeln regional stark ausgebremst. In Sachsen aber konnten die
Landwirte auf 80 Prozent ihrer Felder neue Knollen legen, womit sie
gegenüber dem Vorjahr weit vorausliegen. Während in Mecklenburg-Vorpommern
noch 25 Prozent der Alternte im Lager weilen, wurden in Sachsen-Anhalt
mangels Verfügbarkeit schon die Kartoffelexporte eingestellt.
Die Erzeugerpreise bleiben hoch, denn vor allem die Frittenfabriken in
Belgien profitieren von einer gestiegenen Nachfrage und treiben die Suche
nach Angeboten voran. Belgien hat im vergangenen Jahr auf dem Weltmarkt
Fritten aus anderen Herkünften weit hinter sich gelassen und will seinen
Anteil auch in diesem Jahr halten. Fritten und Tiefkühlware bleiben auch
in Deutschland heiß begehrt. Die Nachfrage nach Kartoffelchips hat sich
wegen der kleineren Verpackungen und damit gestiegenen Preise spürbar
verringert.