Der Handel mit Agrarrohstoffen startet ruhig in das neue Jahr
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeine Marktentwicklung
Generell hat sich die Aufregung um steigende Energiekosten zu Beginn des
neuen Jahres schnell verflüchtigt. Die Preise an den Tankstellen sind nach
ihrem Sprung auf über 1,72 Euro pro Liter in der Neujahrsnacht wieder
gefallen, der Rohölpreis für die Nordseesorte „Brent“ startet in der
zweiten Januarwoche mit deutlich unter 80 US-Dollar je Barrel (159 Liter).
Die Ölbestände in den USA steigen, der saudische Ölkonzern „Aramco“ hat
seine Notierungen wegen anhaltender Nachfrageschwäche weltweit um zwei
US-Dollar je Barrel gesenkt.
Den ebenfalls zu Beginn der Woche gestarteten Bauernprotesten in
Deutschland hat die Ampelregierung am 8. Januar ihren Kompromissvorschlag
entgegengehalten. Zu Beginn der parlamentarischen Debatte bleibt es
demnach bei einer Kürzung der Subventionen für Agrardiesel um 40 Prozent
in diesem Jahr und um weitere 30 Prozent im Jahr 2025.
Große Sorgen bereitet das Wetter in Nordwesteuropa. Auch wenn die
Pegelstände in Deutschland leicht sinken, hält sich die Staunässe auf den
Äckern. Vielerorts werden die Landwirte ihre Winterkultur aufgeben müssen
und auf Sommerweizen und Mais umsteigen. Quantifizierbar ist der Schaden
noch nicht.
Weltweit gibt es Entspannung beim Wetterphänomen El Niño. Mexiko,
Zentralamerika und Brasilien leiden unter anhaltender Trockenheit,
Malaysia, die Philippinen und Indonesien sowie weite Teile Australiens
melden günstigere Vegetationsbedingungen, sodass die US National Oceanic
and Atmospheric Administration (NOAA) im Dezember nur noch von einem
„milden“ El Niño spricht, der seinen Höhepunkt überschritten hat.
Getreide
In neun aufeinanderfolgenden Jahren hat China jeweils mehr als 650
Millionen Tonnen Getreide geerntet. 2023 waren es 695 Millionen Tonnen.
Dennoch ist die Versorgungslage angespannt, weil die landwirtschaftliche
Fläche zu klein für die 1,4 Milliarden Menschen ist und
Witterungsbedingungen immer wieder die Ernte beeinträchtigen. Ab dem 1.
Juni 2024 greift ein neues Gesetz zum Schutz von Ackerland gegen
„Entwicklung und Verstädterung“. Das neue Gesetz soll die Umwidmung von
Ackerland verhindern. Darunter fallen auch die Grünland- und Waldnutzung.
Ergänzt wird das Gesetz durch Anstrengungen zur Verminderung der
Lebensmittelverschwendung. Chinas Nachfrage am Weltmarkt wird dadurch aber
nicht allzu schnell sinken.
Die Ukraine hatte für den Dezember 2023 den Export von sieben Millionen
Tonnen Weizen gemeldet. 4,8 Millionen flossen dabei über das Schwarze Meer
ab. Für die europäischen Weizenexporteure sind das schlechte Nachrichten.
Zudem verdirbt ihnen der starke Euro die Preise. Die europäischen
Getreidehändler nehmen nach der Weihnachtspause ihre Aktivitäten auf den
nationalen Märkten nur langsam wieder auf.
Raps und Ölsaaten
Diese Woche stehen Veröffentlichungen über die Palmölernte in Malaysia und
die Sojaernte in Brasilien an. Die Analysten hoffen auf eine Trendumkehr
bei den Pflanzenölpreisen. Brasilien wird in diesem März die
Beimischungsquote von Biodiesel von 12 auf 14 Prozent steigern. Da 70
Prozent des Biodiesels aus Sojaöl stammen, wird der Inlandsbedarf an Soja
in diesem Jahr um rund ein bis zwei Millionen Tonnen steigen. Das wird
sich nach Marktanalysten wie „Hedgepoint Global Markets“ in einer
Reduzierung von Soja- und Sojaölexporten niederschlagen. Für das zweite
Quartal sollen die FOB-Preise im Hafen Paranaguá bereits steigen.
Wie der Getreidemarkt startet auch der Rapsmarkt ruhig in das neue Jahr.
Die Ölmühlen sichern sich ihren aktuellen Bedarf durch eine Zufuhr von
40.000 Tonnen Raps aus Litauen. Australischer Raps wird ab März erwartet.
Dann dürften auch die Hochwasserschäden beim europäischen Winterraps
bekannt sein.
Kartoffeln
Die starke Nachfrage nach Kartoffeln zum Weihnachtsfest hat die Händler
erfreut. „Zwischen den Jahren“ lag die Nachfrage sogar höher als im
Vorjahr und Händler konnten Preisaufschläge von zwei Euro je Dezitonne
durchsetzen. Die Konsumenten haben in den ersten Tagen des neuen Jahres
die angelegten Vorräte aufgebraucht und das Geschäft hat sich beruhigt.
Die höheren Weihnachtspreise sollen aber noch bestehen bleiben.