Der Getreidestrom aus der Schwarzmeerregion wird die EU-Getreidepreise länger belasten
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeine Marktentwicklung
Die Worte des US-Präsidenten Joe Biden, nach denen er keinen Konflikt mit
dem Iran sucht, haben die Lage am Rohölmarkt entspannt. Die Europäische
Union schloss das Jahr 2023 im vierten Quartal mit einem „Nullwachstum“
ab. Aus China wurde im Januar 2024 kein weiteres Wachstum für den
Industriesektor gemeldet. Das sind zusammengefasst keine guten
Börsennachrichten für den Rohölhandel, dessen Januar-Aufschwung Anfang
Februar wieder abbrach und der mit 82 US-Dollar für einen Barrel Rohöl
(159 Liter) der Nordseesorte „Brent“ abschloss. Der April-Kontrakt steht
sogar nur bei 80 US-Dollar pro Barrel. Saudi-Arabien hat seinen
staatlichen Ölkonzern angewiesen, seine Förderkapazität um eine Million
Barrel pro Tag zu senken. Das heißt: Derzeit rechnet niemand mit einer
Nachfragebelebung für Rohöl. Die Preise bleiben stabil. Die Zerstörung
russischer Ölanlagen in St. Petersburg geht als Ereignis an den Börsen
vorbei.
Getreide
Die Einigung der Europäischen Union, ukrainische Agrarprodukte für ein
weiteres Jahr nicht mit einem Zoll zu belasten, und die weltweit
schwächelnde Nachfrage nach Weizen haben die Weizenpreise Ende Januar ins
Rutschen gebracht. Der Ukraine Business Club hat für den Januar 2024 den
Export von 5,2 Millionen Tonnen Getreide, 0,76 Millionen Tonnen Ölsaaten
und 0,66 Millionen Tonnen Speiseöl gemeldet. Wegen der Spannungen im Roten
Meer fließt kaum noch ukrainisches Getreide nach Asien ab; es landet in
der EU oder in Nordafrika – einem traditionell großen Markt für
europäisches Getreide. Auch die starken russischen Exporte haben die
Preise an der Matif in Paris belastet. Anfang Februar ist der Weizenkurs
um 6,75 Euro auf knapp unter 211 Euro pro Tonne gefallen. Russland hat
2023 eine Rekordernte von 91 Millionen Tonnen eingefahren und braucht für
die Ernte 2024 Lagerplatz. Der Druck auf den Weltmarkt hält an.
Raps und Ölsaaten
Da das Angebot am Sojamarkt die Nachfrage übersteigt, sind die Preise im
Januar unter Druck geraten. China hat trotz sinkender Sojapreise seit
November 2023 nur schwach auf Angebote reagiert, was sich bei den
US-Exporteuren deutlich bemerkbar macht. Weltweit prognostiziert das
US-Landwirtschaftsministerium eine Rekordernte von 660 Millionen Tonnen
für 2024. Das sind 30 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr. Das durch
Dürre bedingte Minus in Brasilien wird durch höhere Erträge in Argentinien
und den USA mehr als kompensiert. Die weltweiten Vorräte werden um 15
Millionen Tonnen auf 115 Millionen Tonnen steigen. Erwartete Niederschläge
in Südamerika werden an der Angebotslage auch nichts ändern.
Deutschland hat nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft
(AMI) von Ende Januar in der Zeit von Juli bis November 2023 mehr Raps-
und Sojaschrot exportiert. Bei Rapsschrot stiegen die Exporte gegenüber
dem Vergleichszeitraum 2023 um 30 Prozent und erreichten rund 780.000
Tonnen. Die Sojaschrotexporte stiegen um acht Prozent auf rund 740.000
Tonnen. Dänemark ist für beide Märkte der wichtigste Abnehmer in der EU.
Kartoffeln
Seit dem Weihnachtsgeschäft 2023 halten sich die hohen Preise für
Kartoffeln und bleiben auch Ende Januar oberhalb der 30-Euro-Marke pro
Dezitonne. Die Akteure werden nervös und fragen sich, wie lange dieser
Trend noch anhält. In Thüringen wurde mit 40 Euro/Dezitonne der höchste
Erzeugerpreis seit Beginn der Notierungen 2010 erzielt. Landwirte mit
guten Qualitäten im Lager halten sich mit Hoffnung auf steigende Preise
mit Angeboten zurück. Bis Mitte März scheint ausreichend Packware
vorhanden zu sein. Dann sollten die ersten Frühkartoffeln aus Ägypten und
Israel eintreffen.
Zucker
Der Zuckerpreisindex hat auf dem Weltmarkt um 0,8 Prozent zugelegt und
liegt nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO deutlich über dem
Wert vom Januar 2023. Überwiegend liegt das an den geringen Niederschlägen
in Brasilien. Dort beginnt die neue Ernte von Zuckerrohr bereits im April.
In Thailand und Indien verzögert sich die neue Saison, was für das
Zuckerrohr ebenfalls keine guten Wachstumsbedingungen bietet.