Das Wetter hat die Agrarpreise im Griff
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeines Marktumfeld
Die Sorge um den Ölpreis hat sich gelegt. Mit 81,43 US-Dollar für einen
Barrel (159 Liter) Nordsee-Öl der Sorte Brent hat sich die Notierung Ende
der Woche auf einem Tiefpreis stabilisiert. Die Prognose der
US-amerikanischen Notenbank Fed für eine Zeit längerer und höherer Zinsen
drückt eine Nachfrageschwäche in den USA aus, die China schon lange
belastet. In Stimmung ist die Weltwirtschaft nicht. Allein der steigende
Benzinkonsum in den USA stützt die Preise. Ab dem Memorial Day am 27. Mai
steigt saisonal die Fahrleistung der US-Amerikaner. Die US-Autofahrer
verbrauchen rund ein Zehntel des weltweit nachgefragten Öls. Das
Energieministerium hatte vergangene Woche den höchsten Benzinverbrauch
seit November 2023 vermeldet.
Bei den niedrigen Rohölpreisen bliebe auch eine Verlängerung der
Förderkürzungen auf der Vollversammlung der OPEC+ am 1. Juni ohne Wirkung.
Für die Preise der Agrarrohstoffe ist derzeit ausschließlich das Wetter
zuständig.
Getreide
Aufgrund des Feiertags in den USA hat sich der Handel mit Agrarrohstoffen
zum Wochenstart auf die europäische Getreidebörse in Paris konzentriert.
Wegen der schlechten Ernteprognose für russisches Getreide bleiben die
Kurse fest und werden ihre Wochengewinne von zehn Euro pro Tonne
verteidigen können. Mittlerweile haben auch russische Analysten ihre
Ernteschätzungen um 2,5 Millionen Tonnen auf nunmehr 83 Millionen Tonnen
gesenkt und räumen dem Export weniger Raum ein. Der höhere Weizenpreis
zieht auch die Maisnotierung mit. Der Deutsche Raiffeisenverband hat seine
Prognose für die Weizenernte in Deutschland um 600.000 Tonnen auf 41,8
Millionen Tonnen erhöht. Aufgrund neuer Schätzungen zu den Anbauflächen
mit einem deutlichen Plus bei Sommergetreide kommt – trotz der zahlreichen
Unwetter – mehr Korn zusammen als bislang gedacht.
Wetterunbilden haben nicht nur Südamerika, Russland und die USA im Griff;
mittlerweile herrscht im Süden und Westen Australiens Trockenheit. Wie
sich die Prognose zum weltweiten Weizenangebot entwickeln wird, ist noch
offen.
Raps und Ölsaaten
Die Rapsnotierungen gingen in der letzten Maidekade wild rauf und runter.
Binnen weniger Tage stieg die Notierung an der Pariser Börse um 11,50 Euro
pro Tonne, um dann wieder um sechs Euro zu fallen. Der aktuelle Kurs liegt
unter dem Mai-Höchstwert von 485 Euro pro Tonne, der Fronttermin im August
bei knapp unter 480 Euro. Wie stark die Beeinträchtigungen durch das
Wetter sich auf die europäische Rapsernte auswirken, steht noch immer aus.
In Kanada verzögert sich die Aussaat wetterbedingt, und in Australien
trübt die genannte Trockenheit die Ernteaussichten.
Im überschwemmten Süden Brasiliens, im Bundesstaat Rio Grande do Sul,
konnten zuvor 85 Prozent der Sojabohnen geerntet werden. Viele Flächen
sind nun aber zerstört und die Verschiffung in den Häfen ist
eingeschränkt. In Argentinien leiden die Sojabestände ebenfalls unter der
Trockenheit. Gute Nachrichten kommen aus den USA. Dort wird der Fortgang
der Sojaaussaat mit 52 Prozent angegeben. Das sind 17 Prozentpunkte mehr
als in der ersten Maidekade.
Kartoffeln
Das Pfingstwochenende hat die Nachfrage nach Speisekartoffeln deutlich
belebt. Regional sind Lagerbestände geräumt und deutsche Angebote aus den
Geschäften verschwunden. Bei den Frühkartoffeln wird ägyptische Ware
schnell abverkauft und durch israelische und spanische Angebote ersetzt.
Für israelische Ware werden auf der Handelsseite bis zu 100 Euro pro
Dezitonne angeboten, spanische Ware knackt die Marke von 110 Euro. Erste
Meldungen über die heimischen Kulturen sprechen von gut aufgelaufenen
Beständen. In Trockenregionen wie in Sachsen-Anhalt wird bereits
bewässert.