China bleibt das Zünglein an der Handelswaage
ADAMAs Blick in den Markt
Allgemeine Marktentwicklung
Bei den Rohölpreisen stehen die Zeichen auf Entspannung. Die
Februar-Kontrakte für einen Barrel (159 Liter) der Nordseesorte „Brent“
stehen Mitte Dezember bei 76,40 Euro. Auch die letzten Förderkürzungen der
OPEC+-Staaten von Dezember haben die Marktteilnehmer vollständig
verarbeitet. Wie es mit dem Ölpreis weitergeht, werden die Konjunkturdaten
für das erste Quartal 2024 zeigen. Experten sehen einen Überschuss an
Erdöl voraus. Die steigende Erdölförderung in Brasilien und Venezuela
gleicht die Mindermengen aus den OPEC+-Ländern aus. Weiter wird der Preis
aber nicht fallen, denn das US-Energieministerium bereitet die
Ausschreibungen für den Rückkauf der Notvorräte vor.
Getreide
Alexander Karavaytsev vom Internationalen Getreiderat in London ist einer
der skeptischen Beobachter für den Ausblick auf das Jahr 2024. Auf der
Global Grains Conference im November 2023 in Genf warnte er vor dem seit
sechs Jahren steigenden Getreidekonsum, der bei stagnierenden globalen
Getreideerträgen zu einer engeren Versorgung führen wird. Der
Weizenverbrauch soll in Afrika südlich der Sahara am stärksten ansteigen.
Ein Grund seien die hohen Reispreise, die Konsumenten nach Alternativen
suchen lassen. China wird Weizen mit schlechter Qualität hauptsächlich in
den Futtertrog umlenken, prognostiziert Karavaytsev.
Weltweit rückt die Qualität von Weizen in den Vordergrund des Handels.
Qualitätsweizen für das Backen von Brot stand vor zwanzig Jahren noch gar
nicht in den Handelsverträgen, räumte der größte türkische Müller, Eren
Günhan Ulusoy, in Genf ein. Malak Al Akiely, Geschäftsführer von „Golden
Wheat for Grain Trading“, unterstrich, dass er vor 15 Jahren seinen
Einkauf von den USA auf die Schwarzmeerregion umgelenkt hat. „Wir kaufen
Spezialitäten, keine Herkünfte“, wird er im „World Grain Magazine“
zitiert.
Es gibt Ausnahmen. Tunesien braucht jährlich jeweils eine Million Tonnen
Weizen, Gerste, Mais und Soja. Das „Millionen-Tonnen-Land“ kauft
preisorientiert, sagte Mehdi Zerzeri von der Mühle „Les Grandes Moulins de
Tunis“.
Die aktuellen Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums von Mitte Dezember
haben den Kaufrausch Chinas noch nicht berücksichtigt. Mit 440.000 Tonnen
Weizen hat China Anfang Dezember die größte Einzelmenge seit 2020 gebucht.
Peking will damit die Verluste der durch hohe Niederschläge verursachten
Mindererträge ausgleichen. Zwischen Oktober und November hatte das Land
bereits 560.000 Tonnen Weizen geordert. Aber auch die staatliche
ägyptische Handelsbehörde GASC hat zu Beginn der zweiten Dezemberwoche
zugeschlagen. Am Montag, dem 4. Dezember wurden 180.000 Tonnen, am
folgenden Freitag noch einmal 420.000 Tonnen Weizen geordert.
Die zweitgrößte Mühle aus den USA, CHS Broadbent, hat den Startschuss für
ein neues Exportterminal für Getreide gegeben. Das Terminal wird im Hafen
von Geelong bei Melbourne gebaut, bekommt eine Lagerkapazität von 80.000
Tonnen und soll für 13 Umschläge pro Jahr ausreichen. Über Geelong sollen
künftig 1,5 Millionen Tonnen Getreide für Südostasien verschifft werden.
Die Getreidepreise bleiben bei leichtem Auf und Ab im Dezember bislang
stabil. China soll auch französischen Weizen geordert haben. Grund dürfte
vor allem der schwächere Euro gegenüber dem US-Dollar sein. Die Händler
fokussieren sich auf den Exportmarkt. Mit 4,24 Millionen Tonnen
kumuliertem Export bis zum 3. Dezember geht etwas mehr als ein Drittel der
Weizenausfuhren nach Marokko, Nigeria und Ägypten. Der starke
Wintereinbruch am Schwarzen Meer verzögert die Getreideanlieferungen aus
dem Hinterland Russlands an seine Exporthäfen. Die EU könnte davon
profitieren.
Raps und Ölsaaten
Höhere Rapsmengen aus Kanada und Australien setzen die Preise unter Druck,
der schwächere Euro hingegen hat das Kaufinteresse für europäischen Raps
geweckt. Der Fronttermin Februar 2024 steigt leicht auf 444,25 Euro pro
Tonne. Die Abgabebereitschaft von Raps ist aber derzeit sehr begrenzt.
Bei Rapsschrot hingegen bewegen sich die Preise nach der Hausse im
November wieder nach oben. Der Preis für Sojaschrot hingegen kann sich
nicht halten. Im November 2023 hat Brasilien 4,8 Millionen Tonnen
Sojabohnen verschifft. Im Vorjahresmonat waren es lediglich 1,9 Millionen
Tonnen. Im laufenden Kalenderjahr hat Brasilien seinen Export auf 91,8
Millionen Tonnen gesteigert. Das sind 25 Millionen Tonnen mehr als im
Vorjahreszeitraum.
Kartoffeln
Die Marktbeobachter sind sich einig: Gegenüber der Vorwoche blieben die
Kartoffelpreise „ohne Änderung“, „stabil“ oder „festgezurrt“. Bis
Weihnachten wird sich daran auch kaum etwas ändern. Allerdings wird
Premiumware knapp, weil die Absortierungen hoch sind. Regional, etwa in
Mecklenburg-Vorpommern, steigt die Nachfrage nach Speisekartoffeln.
Marktanalysten schauen schon auf das neue Jahr und prognostizieren
steigende Preise. Das liegt nicht nur an der Menge, sondern sei auf
Lagerkosten und Transportkosten – Stichwort Maut – zurückzuführen, so die
Analysten.